Februar 2010
Monatsarchiv
Allgemein23 Feb 2010 10:51 am
Mattheis bricht´s Eis
Am 24. Februar ist der Namenstag des heiligen Matthias, der sogenannte `Mattheis-Tag´ . Den Bauernregeln nach ein bedeutsamer Tag, der
`das Wetter macht für die nächsten 40 Tag´:
“Wenn neues Eis Matthias bringt,
so friert’s noch 40 Tage,
wenn noch so schön die Lerche singt,
die Nacht bringt neue Plage.”
Also entscheidet Mattheis wohl, ob der Winter vorbei ist, oder erst anfängt:
“Mattheis bricht’s Eis,
hat er keins,
so macht er eins.”
“Taut es vor
und auf Mattheis,
geht kein Fuchs mehr
übers Eis.”
doch
“Hat Mattheis
seine Hack’ verloren,
wird erst St. Joseph (19. 3.)
das Eis durchbohren.”
Und auch der Osterhase blickt wohl ängstlich auf den Mattheis-Tag, denn er bringt ihm die Antwort darauf, ob er fröhlich und im Adamskostüm seine Ostereier verstecken kann - oder sich bis dahin einen Pelz und Stiefel zulegen muss, denn:
“Tritt Matthias stürmisch ein,
wird’s an Ostern
Winter sein. *
Und wenn ich nun heute, einen Tag vor Mattheis-Tag, aus dem Fenster schaue: Regen, Regen, Regen, trüber verhangener Himmel - dann gruselts mich schon ein wenig, denn
“Wie’s Petrus vor Matthias macht,
so bleibe es
durch 40 Nacht.”
Ich bin zwar froh, wenn der Winter endlich vorbei ist, Schnee und Glätte von den Straßen sind, die Minus-Kälte endlich ein Ende hat - aber 40 Tage Regen … *seufz* , keine schönen Aussichten.
Am meisten Sorge macht mir der Satz “Mattheis brichts´ Eis, hat er keins, so macht er eins” - denn wir haben Tauwetter, unwahrscheinlich, dass morgen noch irgendwo Eis rum liegt … und wenn Mattheis kein Eis zum Brechen findet, dann macht er neues, oder wie ?
Vielleicht hilft´s ja ein paar neue Bauernregeln zu erfinden … *grins* , sich das Wetter schön zu reden
, z.B.
“Wenn´s vor Matthias ganz viel regnet,
wird erntereich das Feld gesegnet.”
oder
“Wenn vor Mattheis
viel Regen fällt
wärmt bald viel Sonne
Herz und Welt.”
ääähm … lach …
oder wie wär´s mit dem hier:
“Wenn Mattheis kommt
mit Regen geritten
naht der Frühling schon
mit großen Schritten”
Vielleicht fällt euch ja noch was ein, um dem morgigen Mattheis-Tag eine Schön-Wetter-Prognose abzuringen *lach*
Allgemein21 Feb 2010 04:18 pm
Update
Da ich es satt habe weiterhin Energie und Nervenkraft in die `Sanierung´ meines PC zu stecken ohne einen kleinen Schritt weiterzukommen, habe ich soeben kurzerhand mein altes Laptop wieder online gebracht. Zwar keine super Lösung, denn meine ´alte Lady´ bewegt sich mit äußerst müden Schritten durch die Online-Welt - hin und wieder bleibt sie auch mal ein Momentchen stehen um wieder Puste zu holen - aber zumindest ermöglicht sie mir, mich wieder online bewegen zu können und stürzt nicht ab.
Groß ist meine Freude, mein Weblog endlich wieder in aller Ruhe betreten zu können
, ohne Panik, dass sich die Maschinerie von jetzt auf gleich selbständig runterfahren könnte, während ich am Schreiben bin. Ein wenig betrübt bin ich darüber, dass die alte Lady mir mein Weblog leider nur `nackig´ präsentiert, ohne Outfit

- aber ich will nicht undankbar sein
, Hauptsache, ich kann wieder überwiegend reibungslos online sein.
In alle von mir gern besuchten Seiten komme ich allerdings nicht rein, wegen Problemen mit der Ansicht, die ich selbst nicht gelöst kriege. Aber vielleicht kann mein Sohn da mehr erreichen.
Ob ich in all eure Blogs reinkomme und auch kommentieren kann weiß ich noch nicht, werde aber jetzt - endlich wieder
- einen ausgiebigen Ausflug in die Bloggerwelt machen und hoffe, dass meine alte Lady bereitwillig alle Fenster und Türen öffnet *bet*.
Einen schönen Sonntag 
wünscht euch
Wally
Von damals, als jeder Winter noch ein Winter war
Der Trotzkopf
Es war an einem Sonntag im Winter. Ich war zwölf Jahre alt. Damals verfügte noch nicht jedes Haus in unserem Dorf über einen Telefonanschluss. Genau genommen gab es nur zwei Telefone im ganzen Dorf und eines davon hatten wir. Sehr zu meinem Leidwesen. Denn immer wieder musste ich zu irgendwelchen Leuten im Dorf laufen, um sie an unser Telefon zu holen, weil jemand für sie angerufen hatte und auf Antwort wartete. So war es auch an diesem bewussten Sonntag.
Ich sollte ins Haus nebenan gehen, um meinem Onkel Bescheid zu sagen, dass für ihn ein Anruf eingegangen war. Ich hatte aber keine Lust in die Kälte raus zu gehen, wollte lieber in meinem Zimmer bleiben und weiter Schallplatten hören und Poster aufhängen. Doch mein bockiges „Nein, ich geh nicht!“ - Gebrüll und auch die wütenden Trotztränen beeindruckten meine Eltern kein bisschen. Ich musste mich ins Unvermeidliche fügen.
Doch so leicht gab ich mich nicht geschlagen…
Um die an mir verübte Ungerechtigkeit zu demonstrieren - zog ich meine gelb-roten Hochplateau-Sommerschuhe an und weigerte mich, eine Winterjacke überzuziehen… Und wenn ich mich nun erkälten oder mit meinen Sommerschuhen auf dem Schnee ausrutschen würde, dann wären das meine Eltern schuld, weil die mich bei dem eisigen Wetter raus schickten. Jawohl… - Und schwupps, war ich raus aus dem Haus, ehe mich jemand zurückhalten konnte.
Die besorgten „Du wirst doch wohl so nicht raus gehen?“ – Rufe nahmen meine Ohren mit Genugtuung auf. Und das Gefühl des Triumphes wärmte mich auf meinem Weg, so dass ich die Winterjacke tatsächlich nicht vermisste. `Eine gelungene Darbietung, ein super Abgang, Wally, das war bühnenreif´, applaudierte es in mir. Ich war stolz auf mich. Tja .. und so kam es, wie es kommen musste…ich hatte es ja förmlich `herbeigerufen´…
Kaum auf der Straße angekommen, knickte ich im dicken Schnee weg und fiel hin. Blieb einen Moment liegen, überlegte, ob ich diese Situation für einen zusätzlichen `Dramenakt´ nutzen sollte, um so die Ungerechtigkeit meiner Eltern noch stärker hervorzuheben. Aber weil mir auf einmal kalt wurde, entschied ich mich dafür, lieber schnell aufzustehen und meinen Auftrag hinter mich zu bringen. Also stand ich auf.
Und fiel sofort wieder hin, auf meinen Allerwertesten. Aua!
Drei weitere Aufsteh-Versuche endeten ebenso mit dem Po im Schnee. Ich verfluchte mich insgeheim, dass ich so kindisch trotzig gewesen war, mit meinen Sommerschuhen in den Schnee hinaus zu gehen. Langsam wurde ich wütend. Weil ich mir so albern vorkam. Hoffentlich sah mir keiner zu. Voll peinlich, dass ich immer wieder in den Schnee fiel… Und seltsam, dass mein linker Fuß auf einmal mit den Zehen nach rechts zeigte…
Und dann ging alles sehr schnell. Ich erlebte es, als wäre es ein Traum, der im Zeitraffer ablief:
Die Nachbarin von gegenüber kam aus ihrem Haus gelaufen, rief irgendwas zu mir, lief dann zum Haus meines Onkels, der kam eilig angerannt, hievte mich auf seine kräftigen Arme, ächzte dabei schwer – was kein Wunder war, bei meinem Moppel-Gewicht – legte mich bei uns zu Hause in einem Sessel ab mit den Worten: „Ich glaub, die hat den Fuß kaputt“ und erledigte dann, wo er schon mal hier war, auch sein Telefongespräch.
Von dem was danach passierte, weiß ich nicht mehr viel. Nur noch, dass meine Mutter den Arzt im Krankenhaus zu belehren versuchte, dass mein Fuß ganz bestimmt nicht gebrochen, sondern wahrscheinlich nur stark verstaucht wäre, woraufhin der Arzt sich genötigt fühlte, seine Berufsehre vehement zu verteidigen und mehrfach, immer lauter werdend darauf beharrte, dass der Fuß ganz klar gebrochen wäre, sogar schwierig gebrochen, er müsse operiert werden.
Mir war, als würde ich einem erbitterten Hahnenkampf zusehen. Irgendwann war der Kampf ausgefochten. Der Arzt hatte gewonnen. Meine Mutter weinte. Ich weinte auch, obwohl ich nicht so recht wusste, warum. Das wurde mir erst klar, als ich auf dem OP Tisch lag und vor Angst zitterte, Angst vor der Operation, Angst vor wochenlangem Krankenhausaufenthalt, Angst, vielleicht an Weihnachten nicht zu Hause zu sein.
Nach drei Wochen Liegegips wurde mir vom Oberschenkel an bis zu den Zehen ein Gehgips angepasst. Damit durfte ich endlich wieder nach Hause, kurz vor Weihnachten.
Im Januar hieß es in der Zeitung, es wäre der „Winter der gefallenen Mädchen“, denn ungewöhnlich viele Frauen und Mädchen hätten in diesem Winter Bein- Fuß oder Armbrüche erlitten.
… So wurde ich zu einem `gefallenen Mädchen´… und nicht nur auf meinen gebrochenen Fuß bezogen. Denn durch dieses Erlebnis war auch die Trotzmauer in mir gefallen, der kindische Trotz endgültig gebrochen. Zum Glück. Denn dadurch wurde ich vermutlich vor weiteren unsinnigen Handlungen bewahrt. Wer weiß, was mir sonst noch so alles passiert wäre…
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Niemals geht man so ganz, heißt es. Stimmt. Denn der Trotzkopf in mir hatte sich nicht einfach in Luft aufgelöst, wie ich mittlerweile weiß. Er hat nur geschlafen und sich später eine neue Bleibe gesucht. Treibt jetzt im Kopf meiner Tochter ihr Unwesen. Manchmal. … Besser, ich entferne ihre Sommerschuhe aus dem Schuhschrank und verstecke sie im Keller, bis der Winter rum ist. Man weiß ja nie…
(ursprünglich geschrieben für “Dodos-Geschichten-Domino” http://www.blauer-buchblog.de/ )