März 2009
Monatsarchiv
Allgemein29 Mrz 2009 02:21 pm
Was geht noch …?
Zum Glück konnte ich mich gestern abend zu später Stunde, trotz schon halb geschlossenen Augenlidern, noch zu einem kurzen Internet-Besuch aufraffen. So habe ich noch rechtzeitig mitgekriegt, dass die Uhr auf Sommerzeit umgestellt wird. Dies hatte ich, tatsächlich, völlig vergessen. Und nun frage ich mich, wo heute morgen so urplötzlich dieses Gefühl herkommt, der Zeit hinterherrennen zu müssen. Wurde es rein biologisch hervorgerufen, durch die Tatsache, dass `eine Stunde fehlt´ oder ist es nur eine Ausgeburt des Gedankens, einer Stunde Zeit beraubt worden zu sein?
Bis gestern war ich mit mir im Gleichgewicht, aber seit heute Morgen ist mir, als wenn die Waage schief hängt. Ich verspüre ein unerklärliches Nachholbedürfnis. Die Gedanken spielen Achterbahn in meinem Kopf. Sie rasen. Eilen zurück in die Jahre, die hinter mir liegen, halten mir vor Augen, was ich alles geschafft habe … und machen mir bewusst, was ich nicht getan habe, aber besser hätte tun sollen. Kein gutes Gefühl… das Gefühl, Chancen unwiederbringlich verpasst zu haben, das Gefühl: es ist zu spät, für so vieles. Und die Frage kommt auf: wofür ist es noch nicht zu spät? Was, geht noch?
Es macht mich traurig zu erkennen, wie klein die Auswahl dessen ist, was noch möglich ist. Aber das darf kein Grund sein den Kopf in den Sand zu stecken. Hauptsache ist doch, es geht überhaupt noch was. `Vielleicht, ist es sogar gut so, dass die Auswahl dessen, was noch geht, nun eingeschränkter ist. Dadurch wird die Richtung klarer, das Risiko geringer, sich zu verzetteln´… - so rede ich mir meine negativen Gedanken schön. Seufz.
Aber, was geht noch? Und was, von dem, was noch geht … will ich, will ich wirklich?
Mir scheint, das Leben ist eine ewige Suche, die Suche nach dem `irgendwo ankommen´.
Porzellangesicht
Strahlend weiße Zähne aus einem breit lächelnden Mund – Emilia hasste ihr puppenhaft eingemeißeltes Spiegelbild, auch die gestellte Fröhlichkeit, die sie dem Blick ihrer braunen Augen zu geben vermochte. Nur sie selbst sah die unendliche Traurigkeit darin, anderen blieb sie verborgen.
`Jahre lange Übung, macht eben den Meister´, ließ sie stumm ihrem Sarkasmus ein wenig Lauf. `Porzellangesicht, veränder´ dich nicht, denn nur so … wollen sie dich´. Wen interessierte schon, wie es in ihr aussah, wie sie sich fühlte, was sie dachte. Keinen Menschen interessierte es… auch Emilia selbst, interessierte es schon lange nicht mehr.
`Alles im Leben hat seinen Preis, und ich hab entschieden, so zu sein, wie sie mich haben wollen, also, warum so traurig?´
Sie besaß ein prall gefülltes Bankkonto, hatte bereits die halbe Welt bereist, traumhaft schöne Strände und Städte gesehen, war in der Welt der Reichen und Schönen zu Hause, das alles war doch so viel mehr - … als das Häuschen im Grünen, dass Frank ihr hätte bieten können. War doch viel mehr wert, als seine Liebe zu ihr, die in seinen Augen erlosch, als sie sich gegen ihn und für die Karriere entschieden hatte.
„Emilia! Wo bleibst du denn? Spiel hier nicht die Diva! Höchste Zeit, es geht gleich los!“ Bernard hämmerte wütend an die Tür.
„Sorry, hab nicht auf die Uhr geguckt, ich komme sofort!“ ließ sie zuckersüß ihre Stimme nach draußen dringen, wohl wissend, dass sie Bernard sofort besänftigen würde.
„ Okay, bitte beeile dich, es ist wirklich höchste Zeit, der Saal ist proppevoll, wir müssen loslegen, die werden schon ungeduldig.“
Sie hörte, wie seine Schritte sich entfernten.
Prüfte im Spiegel ihren Gesichtsausdruck, regulierte ihn, bis sie aussah, wie die Meute sie sehen wollte, so, wie es zum Thema passte. Erhob sich dann schwungvoll.
Fühlte ihre langen schlanken Beine, die sie wie immer fest und sicher tragen würden, hinaus aus der Garderobe, auf den nächsten Laufsteg, auf die nächste Sprosse ihrer Karriereleiter. Die Modenschau heute Abend war besonders wichtig. Die Reichsten der Reichen waren versammelt.
Emilia trat auf den Flur. Zog ihre Garderobentür fest hinter sich zu.
Schloss sie ein, die Sehnsucht, nach der zärtlichen Männerhand die früher einmal liebevoll ihr Gesicht liebkost hatte. Schloss sie ein, das dunkle Blau der Augen, das ihrem Herzen einst Wärme schenkte und den Körper, der immer wieder aufs Neue die Leidenschaft in ihr entfacht hatte. Schloss sie ein, weg, die Erinnerungen. Richtete ihren Blick entschlossen nach vorn.
Der Laufsteg rief. Und sie lief ihm eilig entgegen. Ihm, und ihrem erwählten Leben.
( Zur Erläuterung: Diese Schreibübung basiert auf einer `Stammtisch-Hausaufgabe´ . Aufgabe war, zu einem vorgegebenen Foto eine kleine Geschichte zu erfinden. Das Foto (von Martina-Mamü) zeigte eine Puppe, die in der glänzenden Waschtisch-Armatur ihr eigenes Spiegelbild sieht. )

( Foto: Martina Müller )
Reimereien and Allgemein22 Mrz 2009 02:35 pm
Gegenwind
Der Körper schlapp,
geschlaucht, erschöpft
will eigentlich nur ab,
ins Bett,
trotz aus dem selbigen,
vor Stunden
ich mich doch erst hab
rausgewunden,
der Kopf, er klagt,
der Nacken schmerzt,
doch unverzagt,
geb ich beherzt,
an öde Haushaltspflicht
mich dran,
wenn ich´s nicht tu´,
wird´s nicht getan
soviel ist klar,
ach, ja…
Vier Tag´auf Arbeit
hintereinander
mein Kopf ist irgendwie
durcheinander,
… wie machen das nur
all die andern,
die täglich
im Beruf rumwandeln? …
bin ich womöglich
doch schon zu alt
zum Arbeiten für´n
Lebensunterhalt? …
Ach, was, bin´s nur
nicht mehr gewöhnt,
weil jahrelang
nicht mehr geübt
im Meistern von
All-in-inklusiv
sprich: Haushalt,
Kinder und Beruf
Auf, auf, nur Mut!
Sei nicht so bang!
was andre tun,
kann ich schon lang!
Soviel ist klar,
… Ach, ja …
… Und ich spür´ sie noch,
in mir, die Kraft
… und der Ehrgeiz
ist in mir entfacht,
zu erkunden
meine Leistungsgrenze,
trotz meiner nun
fast fünfzig Lenze …
bereit den `Windmühlen´
zu beweisen:
ich gehör noch nicht
zum alten Eisen!
Und eurem Gegenwind …
dem halt ich stand!
Mit Zähigkeit
in Kopf und Hand!
Trotz euren Knüppeln
zwischen meinen Füßen,
lass ich mich nicht
noch mal verdrießen!
Marschiere weiter,
Flucht nach vorn,
ihr kriegt mich nicht!
Soviel ist klar …
fürwahr.
Jawohl!
Blumengruß-Stöckchen
Ika hat ein Blumen-`Stöckchen´ auf die Reise geschickt. Eine schöne Idee!
Und herzlichen Dank, liebe Ika, für diesen schönen Blumengruß 
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann soll ich das Stöckchen an drei Blogs gezielt weiterreichen, unabhängig davon, ob dort schon ein Blumengruß hingeschickt wurde, oder noch nicht. Aber weil dieses `Stöckchen´ noch ganz jung ist, habe ich mich entschlossen, es an drei Blogs weiterzugeben, die es bisher, meines Wissens, noch nicht erhalten haben.
Weil ich bisher keine eigenen Blumenfotos hatte, blieb mir nur die Möglichkeit, die einzige derzeit blühende Pflanze auf meiner Fensterbank für den Gruß zu fotografieren. Sie ist zwar nicht so wunderschön *verlegen guck*, aber sie kommt von Herzen.
Einen ganz lieben Blumengruß

sende ich hiermit an
Sabine, Dori und Uta .
Es würde mich sehr freuen, wenn ihr das Blümchen mit in euren Blog nehmen und das Stöckchen weiterführen würdet.
"Balkongedanken"03 Mrz 2009 12:53 pm
Frühlingsanfang
Die Sonne bricht kraftvoll durchs Baumgeäst, so prall und gleißend, dass ich die Augen zusammenkneifen muss. Sie wärmt mein Gesicht, wie eine Heizung, und mir kommt spontan in den Sinn … die Sonnenmilchreste vom letzten Sommer aus dem Schrank zu kramen, um einem Sonnenbrand vorzubeugen. Ja, ist denn schon Sommer?
Nein, sicherlich nicht. Denn der Wind, der um meine Schultern streicht ist noch nicht mal frühlingshaft warm, sondern ausgesprochen kühl. Brrr, bibber.
Laut Kalender beginnt der Frühling erst um den 20. März. Aus meteorologischer Sicht aber hat er bereits am letzten Sonntag, am 1. März begonnen. Aus meiner persönlichen Sicht hat er schon Mitte Februar begonnen, nämlich an dem Tag, als ich die erste Vogelschar am Himmel erblickte. - Heute scheint mir, dass der Frühling noch angestrengt nach einem Platz zum Niederlassen sucht, sich aber noch unschlüssig ist, beim Wann und Wo und ob überhaupt …
Fröstelnd ziehe ich die Schulterblätter hoch, lege spontan die Arme schützend um meinen Körper. Stehe hier auf dem Balkon mit sommerlich aufgeheiztem Gesicht und winterlich zitterndem Körper. So was Verrücktes. Irgendwie witzig. Ein Kichern gluckert ungewollt aus meinen Stimmbändern. Echt albern. Vielleicht hab ich schon einen kleinen Sonnenstich … ?
Im Hof grünen bereits Sträucher und Bäume. Nur der hohe Laubbaum vor meinem Balkon ist noch kahl… Auch hier oben auf meinem Balkon ist es noch kahl. Tisch und Stühle sehen nun noch verwitterter aus, als im letzten Jahr. Sind schon lange mehr grau als weiß, deutlich geprägt von vielen Sommern Sonne und vieler Winter Kälte.
- Schon seit Jahren nehme ich mir am Ende jedes Sommers vor, für die nächste Sonnenzeit eine neue Sitzgarnitur zu kaufen. Und wenn dann der Frühling beginnt verschiebe ich die Gedanken aufs nächste Jahr, weil es mir widerstrebt um der Schönheit willen Geld für etwas Neues auszugeben, obwohl das Alte noch stabil und intakt ist. In diesem Jahr wird es wohl genauso gehen… Aber neue Sitzpolster werde ich mir gönnen, nehme ich mir vor… so wie in jedem Jahr. Letztendlich werden mir die alten vermutlich dann doch noch gut genug sein, für `noch eine´ Saison. Wie in jedem Jahr. Bin ich geizig? Oder nur vernünftig? Vielleicht auch nur zu bequem.
Aus den Blumenkübeln wuchern Berge von Unkraut. Viel mehr, als in den vorherigen Jahren, scheint mir. Und dieses Mal hat keine einzige Pflanze den Winter überlebt. Der eisige Winter hat alles Lebende auf dem Balkon hinweg gerafft. Kein schöner Gedanke. .. Mein inneres Auge reagiert sofort. Malt sich schon die Farben der Blumenpflanzen aus, die den Balkon in neuem Leben erstrahlen lassen werden…. wieder so lustig kunterbunt wie im letzten Jahr, ja, das hatte was, gefiel mir besser, als farblich aufeinander abgestimmte Pflanzen … und auf jeden Fall wieder pinkfarbene Fuchsien, die liebe ich einfach, die gehören für mich unbedingt zum Sommer dazu. .. Am liebsten würde ich sofort loslegen, Unkraut und alte Erde rigoros aus den Kübeln entfernen, mit nackten Händen neue Erde einfüllen, Blumen einpflanzen, Leben einhauchen …
Doch erst einmal muss flatternde Wäsche als Balkonschmuck ausreichen. Denn die Waschmaschine ist fertig mit Schleudern. Also auf, auf!
… Und somit erkläre ich hiermit feierlich die diesjährige `Balkon-Wäsche-Trockner-Saison´ für dauerhaft eröffnet!