März 2008


Allgemein19 Mrz 2008 06:49 pm

bildo33.gif

Ich wünsche euch allen
ein fröhliches Osterfest.
Habt Sonne im Herzen,
einerlei wie das Wetter
draußen sein wird.

Bis bald.

Liebe Grüße
von Wally

Allgemein17 Mrz 2008 01:16 pm

Es ist ein trüber Nachmittag, ich bin auf dem Weg zur Post.
Ein Fremder fährt mit einem, für seine Körpergröße zu kleinen, Fahrrad gemächlich die Straße entlang, wirft mir einen kurzen Blick zu, als ich mit dem Auto an ihm vorbei fahre. Sein schwarzes Gesicht macht einen besorgten, leicht abwesenden Eindruck. Irgendwas macht ihm wohl Kummer. Seine Miene prägt sich mir ungewollt ein.
In der Ortsmitte begegnet er mir zum zweiten Mal, als er aus einer Seitengasse auf die Hauptstraße einbiegt. Scheinbar hab ich mich ihm ebenso eingeprägt. Denn ein Anflug des Erkennens huscht über sein, immer noch besorgtes, Gesicht, als er zu mir herein blickt.
Dreimal ist göttlich, sagt man. Und so ist es dann auch.
Als ich vor der Postfiliale mein Auto parke, stellt er dort gerade sein Fahrrad ab und beeilt sich, wahrscheinlich um vor mir drinnen zu sein. Ich habe keine Eile, lasse ihm kampflos den Vortritt.

Eine lange Warteschlange empfängt uns. Ich stöhne innerlich. So viel Zeit hab ich eigentlich auch nicht, um hier ewig zu warten. Doch ich übe mich in Geduld und stelle mich hinter dem schwarzen Mann an.
Lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Bleibe mit den Augen auf der linken Hand des Mannes vor mir hängen. Er hält krampfhaft ein Büchlein fest. Es ist dunkelblau. So was wie “Republique Uganda” kann ich darauf lesen… Was nicht bedeutet, dass ich ihm neugierig über die Schulter geschaut hätte, um ihn auszuspionieren. Nein. Es ist nur einer dieser Momente, in denen meine Augen sich von meinem Hirn distanzieren und geistesabwesend das nahe Umfeld gestochen scharf, wie mit Adleraugen, taxieren. Was mir meist peinlich ist, wenn ich “aus der Trance erwache” und mir klar wird, dass ich mal wieder irgendwen oder irgendwas eingehender betrachtet habe, als es `schicklich´ ist und ich es im vollen Besitz meiner geistigen Kräfte tun würde.
Schnell senke ich den Blick nach unten, starre vor mich auf den Boden. Ist mir peinlich, die Situation. Bestimmt hat er gemerkt, wie ich auf den Pass gestarrt habe.

Schneller als erwartet finde ich mich an der Spitze der Warteschlange wieder. Nur der Mann aus Uganda ist noch vor mir. Und was dann kommt, versetzt mir einen Adrenalinstoß, urplötzlich bin ich hellwach, meine Sinne stehen alle auf Empfang, das erste Mal an diesem Tag.
“Ich kann ihnen kein Geld aushändigen” erklärt ihm die Postbeamtin so laut, dass ich zusammenzucke. Eigentlich ist es kein Sprechen, sondern eher ein Rufen, so, als wäre das Anliegen des Farbigen für jedermanns Ohren bestimmt.
Er hätte aber doch alles ordnungsgemäß ausgefüllt, antwortet er.
Trotz gebrochenem Deutsch kann er sich erstaunlich gut mitteilen. Bestimmt lebt er schon lange hier, folgert mein Hirn daraus.
“Aber das nützt nichts”, klärt die Beamtin ihn, wieder laut rufend, auf. “Da muss die Frau schon selbst hierher kommen, wegen der Unterschrift.”
“Aber sie hat doch unterschrieben”, antwortet er leise und deutet auf ein Formular.
“Ja, schon, aber sie muss hier auf der Post noch einmal unterschreiben, sonst kann ich das Geld nicht rausgeben.”
Aha. Wenn die Frau aus Uganda Geld abheben will, muss sie also selbst kommen, eine Vollmacht reicht nicht aus.
Er nickt, hat verstanden. Und ich auch. Und ebenso die anderen anwesenden ca fünfzehn, unfreiwillig zuhörenden Personen.
Es kostet mich große Willensanstrengung, das aufkommende Jucken in meinem Hals zu ersticken, das ein lautes Loslachen zur Folge hätte, würde ich ihm nachgeben. Denn nun erst wird mir klar, warum die Postbeamtin so laut spricht, ruft, fast brüllt.

Hier spielt sich wieder einmal dieses merkwürdige Phänomen ab, das mir schon des öfteren begegnet ist: Viele Deutsche sprechen mit Farbigen so laut, als wenn sie es mit einem Halbtauben zu tun hätten. Und dies nicht, um mit ihnen herumzubrüllen, sondern rein intuitiv, weil sie denken, dass sie ihnen die deutsche Sprache mittels gehobener Lautstärke schneller und besser verständlich machen könnnen. Dabei sind schwarzfarbige Menschen ja nun nicht automatisch taub auf den Ohren, sondern können uns durchaus auch hören, wenn wir in normaler Lautstärke sprechen. Sie können nur den geistigen Inhalt unserer Worte nicht immer verstehen, weil sie der deutschen Sprache meist nicht vollends mächtig sind. Anstatt die Lautstärke der Stimme während dem Gespräch stetig zu steigern, wäre es also sinnvoller, sich um einfache Wortwahl zu bemühen, damit sie verstehen. Doch intuitiv geht der deutsche Mensch das Problem der Verständigung meist mit dem erstbesten, ihm zur Verfügung stehenden Mittel an: mit der Kraft seiner Stimme.

Bevor der Mann aus Uganda die Postfiliale verlässt streift er mich noch mit einem kurzen Blick. Ich kann nicht fassen, was ich sehe. Er grinst! Zwar verhalten, aber ich kann es deutlich erkennen. Und mir scheint sogar, er kann sich, ebenso wie ich, ein lautes Lachen kaum noch verbeißen. Er hat das Geschrei der Beamtin also zum Glück nicht persönlich genommen, sondern wohl nur mal wieder erlebt, was ihm vermutlich häufig widerfährt. Ärgert sich aber nicht darüber, sondern nimmt es mit Humor. Er nickt mir noch mal kaum merklich zu, so als wenn er sich mit einem “Tschüß” von mir verabschieden wolle.
Ich nicke ihm ebenso verabschiedend zu. Dann verlässt er die Filiale.
Seine Augen sind nun nicht mehr besorgt, sondern sehen ein wenig entmutigt, mit einem “hab mir schon gedacht, dass das nicht geht” - Blick drein. Wahrscheinlich hatte er von vornherein nicht erwartet, dass man ihm das Geld aushändigen würde.

Nun bin ich dran. Hab einen Moment Angst, dass ich nun auch angeschrien werde. Aber nein. Die Beamtin hat im Nullkommanix von Ausländisch auf Deutsch umgeschaltet, nimmt mir meine Briefe ab, stellt mir in leisem Ton die routinemäßige Frage, auf die sie sich, wie immer, selbst innerhalb der Frage eine Anwort gibt: “Sie brauchen eine Quittung?” Ich nicke. Packe dann den Zettel und verlasse ebenfalls den Raum.

Der Mann aus Uganda setzt sich soeben auf sein Fahrrad. Er lacht still vor sich hin. Sein Kopf winkt dabei hin und her. So als hätte er Mitleid mit der Frau da drin, dieser armen Frau, die nicht weiß, dass Verstehen nichts mit der Lautstärke der Stimme zu tun hat.
Mir scheint, der Mann ist während der Zeit in der Postfiliale gewachsen. Er kommt mir nun größer, stärker vor. Und ich habe urplötzlich tiefen Respekt vor diesem schwarzen Mann auf seinem kleinen Fahrrad. Respekt vor der Gelassenheit, mir der er ruhig hin nahm, dass eine Deutsche auf ihn einbrüllte. Respekt vor seinem Verständnis dieser Situation gegenüber.
Ich sehe ihm nach, als er die Straße hinauf radelt. Frage mich, wie es nun weitergeht, mit ihm und der Frau aus Uganda, für die er Geld abheben sollte. Warum ist die Frau nicht mit zur Post gekommen? Vielleicht ist sie schwer krank, kann diesen Weg nicht auf sich nehmen. Und was dann? Muss sie nun verhungern, weil sie ihr Geld nicht selbst abheben kann?
Ich setze mich ins Auto, mache mich auch auf den Weg. Mit einem anderen Gefühl, als dem, mit dem ich hier angekommen bin. Bin nachdenklich geworden.

Allgemein10 Mrz 2008 11:45 am

Lebensmittel werden teurer, die Preise hierfür werden bis zum Jahresende um mindestens vier bis fünf Prozent steigen - meldete gestern unsere Sonntagszeitung, beruhend auf der Aussage des Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham, in der “Wirtschaftswoche”.

Für uns bedeutet das: Nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer und der daraufhin ebenso gestiegenen Beiträge für Versicherungen, nun auch noch höhere Kosten für Lebensmittel und mit Hinblick auf die stetig wachsenden Sprit- und Strompreise und … kurz und knapp: unsere Lebenserhaltungskosten nähern sich einer Explosion.
Die Ausgaben für das tägliche Leben steigen weiterhin an - bei gleichbleibendem Einkommen.
Fazit: Das `Loch im Portemonnaie´wird immer größer werden, für den Otto-Normal-Bürger. Noch mehr Deutsche, als ohnehin schon, vor allem Familien, werden zukünftig am Rande des Existenzminimums, oder sogar darunter, leben.

Also, noch ein Nebenjob mehr, noch mehr sparen, noch gezielter auf Sonderangebote achten, Lebensmittel ´hamstern´ bevor sie teurer werden - gut dran ist, wer ein eigenes Gärtchen hat, selbst Kartoffeln und Gemüse anbauen kann, für den eigenen Gebrauch.
Licht aus, Kerzen an. Fernseher und PC aus, Buch in die Hand, Fahrrad anstatt Auto fahren… “back to the roots” - was zwar durchaus seinen Reiz hätte, aber nicht dann, wenn man dazu förmlich gezwungen wird.
Ich sehe uns schon Holz sammeln und Beeren pflücken…

…Und habe mehr und mehr das Gefühl, als würde uns nach und nach `das Licht ausgelöscht´.

Zu `schwarz gemalt´? Mag sein, vielleicht.
Aber vielleicht auch nicht…

Allgemein05 Mrz 2008 09:15 am

Nahverkehr, Kindertagesstätten, Flughäfen …
Vielerorts wird heute gestreikt.
Als ich meinen Sohn heute Morgen nach Aachen zur Berufsschule fuhr, kamen wir am ASEAG Gebäude vorbei. Es standen kaum Busse auf dem Hof, darum dachten wir erst, die machen nicht mit, beim Streiken. Beim Näherkommen aber wurde ersichtlich, dass auch hier Vorbereitungen liefen.
Vor dem geschlossenen Tor stand ein Smart geparkt, entweder jemand von der Presse, oder vom Radio, konnte es nicht genau erkennen. Und am Tor war ein breites, weißes Tuch befestigt mit der Aufschrift: “Jetzt sind wir dran!” … Ich musste ein bißchen grinsen, als ich das las, denn den Spruch könnte so manch einer auch anders verstehen, als er von den Veranstaltern sicherlich gemeint ist…
Im Radio meldete zum selben Zeitpunkt der Regionalsender `Antenne AC´, dass hier nur dieses eine Busunternehmen streikt, andere fahren wie geplant, so bleibt ca 40 % des Nahverkehrs aufrecht erhalten. Ebenso, hieß es, sind wegen der streikendén Kindertagesstätten zwei Ersatzunterkünfte bereitgestellt worden. Ganz so extrem gestreikt wird hier also nicht, es wurde vorgesorgt, so dass es nicht zum Totalausfall kommt.

.. Und wenn ich hier so um mich blicke, mich frage, warum ich gestern aufgeräumt und geputzt habe, wo doch heute wieder alles genauso rumliegt, als hätte ich keinen Handschlag gerührt - da hätte ich große Lust mich von den Ereignissen des Tages mitreissen zu lassen und auch zu streiken…
fraglich nur, ob das jemand zur Kenntnis nehmen oder zumindest bemerken würde…

069.gif

Zitate/"Weisheiten"01 Mrz 2008 11:30 am

“Sicher ist,
dass nichts sicher ist.”

(Karl Valentin)