August 2007


Allgemein30 Aug 2007 10:50 am

Verwirrtes

Es ist kühl und sonnig draußen, die Luft frisch und klar, morgens und abends ist es schon novemberlich kalt. Ist schon Herbst? Laut Kalender noch nicht.
Die Blätter an den Bäumen tragen noch keinerlei Färbung. Und der Pollenflug ist zwar am Abebben, aber immer noch präsent. Also doch noch nicht Herbst?
Mir scheint, das Wetter ist von sich selbst verwirrt, so als ob es will, aber nicht kann, weil es nicht weiß, was es will.
So geht es mir auch. Ich bin auch von mir selbst verwirrt, weil ich will, aber nicht kann. Ich will was schreiben, kann aber nicht, weil ich nicht weiß, was ich schreiben will.
Wahrscheinlich liegts am Wetter.

Allgemein27 Aug 2007 12:48 pm

Wer hätte das geahnt…

Es würde das letzte sonnig warme Wochenende werden, klang es mahnend aus dem Fernseher. Ich reagierte sofort und entschied mich, dieses Wochenende lesend auf dem Balkon zu verbringen. Noch ungelesene Bücher habe ich viele im Regal stehen, ich würde also ein gutes Werk tun und eines von ihnen seiner eigentlichen Bestimmung zuführen.
Ich wählte nicht lange aus, sondern griff spontan nach Barabara Woods “Himmelsfeuer” , mit einem unwilligen Grummeln im Bauch, denn ich hatte dieses Buch vor Monaten schon einmal angelesen und dann wieder zugeklappt, weil es mich nicht von vornherein “packte”. Aber irgendwann würde ich es ja lesen müssen, also begab ich mich in mein Schicksal und erwählte es, wenn auch ein wenig widerstrebend, zu meiner Wochendlektüre. Denn ich wollte lesen, lesen, lesen. Egal was.
Und fragte mich schon nach den ersten Seiten, warum mir der Anfang dieses Romans damals nicht gefallen hatte. Denn dieses Mal “packte” es mich sofort. Seltsam. Vielleicht ist ja die Stimmung, in der wir uns befinden, wenn wir ein Buch zu lesen beginnen, entscheidend dafür, ob es uns gefällt, oder nicht? Auf jeden Fall hatte ich seit langem mal wieder ein Buch in der Hand, dessen Inhalt für mich weitaus spannender und mystischer war, als der Klappentext es mich jemals hätte vermuten lassen.
Fasziniert ließ ich mich durch diese Familien-Saga treiben, erlebte in den Rückblenden die Mystik eines Indianer-Stammes über Generationen hinweg hautnah mit, war immer wieder aufs Neue berührt, von ihrem Leben im Einklang mit der Natur, von der großen Bedeutung, die das Geschichtenerzählen in ihrem Leben hatte, ich lebte und litt mit ihnen und teilte mit ihnen ihre Ehrfurcht vor der “Ersten Mutter”.
Sehr gut gefiel mir auch, wie sich am Ende Vergangenheit und Gegenwart zu einem Kreis schlossen. Obwohl der eigentliche Schluss für mich nicht überraschend kam, so war es dennoch spannend an dieser Hinführung teilzunehmen, bis auch das letzte Glied in der Kette endlich gefunden war.

Zwei Tage lang hatte ich jede freie Minute mit einer Geschichte verbracht, die mich so fesselte, wie schon lange keine mehr. Dass Ahnenforschung ein so packendes Thema sein könnte, das hätte ich nie für möglich gehalten. Und als ich das letzte Wort gelesen hatte, war ich traurig. Traurig, dass das Buch zu Ende war. Auch dies ist mir beim Lesen eines Buches schon lange nicht mehr passiert.
Und nun lässt mich das Thema Ahnenforschung nicht mehr los! Wer sind wir? Woher kommen wir? Von wem stammen wir ursprünglich ab? Von welchen “Stamm” stamme ich ab? Anhand unseres Familien-Stammbaums kann ich meine Ahnen nur zurückverfolgen bis zu meinen Groß-Eltern. “Spannend” finde ich z.B., dass eine meiner Omas nicht aus meinen heimatlichen Gefilden im Raum Trier kommt, sondern geboren wurde in “Vasbeck, Fürstentum Waldeck” , so steht es im alten Stammbuch. Keine Ahnung, wo dieser Ort ist und ob es ihn heute noch gibt. Es brennt mir regelrecht unter den Nägeln zu recherchieren, vielleicht wäre es ja möglich näheres über meine “Ahnen” zu erfahren?
Wieso fällt mir jatzt erst auf, dass ich nichts, aber wirklich gar nichts, noch nicht einmal die Namen meiner Urgroßeltern kenne? Wahrscheinlich, weil ich mich nie dafür interessiert habe.

Aber nun bin ich interessiert. Bin Feuer und Flamme. Und kann kaum fassen, dass ich vorher nie auf den Gedanken gekommen bin, die Geschichte aufzuschreiben, die mir am nächsten liegt: die Geschichte meiner Familie. Wer waren meine Vorfahren? Was waren das für Menschen, deren Verbindungen, Hochzeiten, Geburten letztendlich dazu führten, dass es mich heute gibt?

Selten hat mich ein Thema so neugierig gemacht. Und noch nie hat mich ein Buch so zum Nachdenken über mein Leben angeregt, wie Barabara Woods “Himmelsfeuer”.

"Gedankensplitter" (Schreibübungen) and Geschichten23 Aug 2007 11:49 am

“Oooh, Fräulein Rottenmeier haben sich aber heute schick gemacht!”
“Was heißt hier heute, Sebastian?” Fräulein Rottenmeier war zutiefst empört. “Ich gehe immer adrett und sauber gekleidet aus dem Haus!” Sie strafte den Hausdiener mit einem vernichtenden Blick.
Sebastian zog unwillkürlich den Kopf zwischen die Schultern, als ob er einem fliegenden Gegenstand ausweichen müsste. “Ja selbstverständlich sind Frau Rottenmeier immer gut gekleidet!” Er schickte der Hausdame ein entschuldigendes Lächeln. “So meinte ich das ja auch nicht.”
“Wie meinten sie es dann?”
“Nun, sie sind heute ein wenig lockerer gekleidet, als üblich.”
“Ein wenig lockerer? Was soll denn das bedeuten, Sebastian?”
“Nicht so zugeknöpft, wie sonst”, entfuhr es ihm.
“Zugeknöpft?” Sie schnappte entrüstet nach Luft. “Meinen sie damit, dass ich sonst gekleidet bin, wie eine alte Schachtel?”
“Aber nein, keineswegs! Ihre Kleidung ist heute nur ein wenig, na, wie sag ich´s am besten”, er rang sichtlich nach beschwichtigenden Worten, um sie nicht noch mehr zu verärgern, ” also nur ein bißchen freizügiger, als sonst. Weiter nichts.” Sein Blick wanderte für einen kurzen Moment von ihrem Gesicht aus abwärts, ein Stückchen tiefer.
“Sebastian! Was erlauben sie sich! Wo sehen sie denn hin? Also jetzt ist aber gut.” Sie zog entrüstet das Schultertuch enger um ihr Dekolltee, wandte sich abrupt ab und öffnete die Haustür. “Sie haben mich schon viel zu lange aufgehalten. Ich muss jetzt zum Fleischer.”
“Zum Fleischer? Aber sie waren doch erst gestern…”
“Stellen sie jetzt auch noch meine Haushaltsführung in Frage? Ich bin ja wohl diejenige, die hier entscheidet, wann Fleisch eingekauft werden muss. Guten Tag, Sebastian!” Sagte es und schwirrte wie eine aufgescheuchte Hummel hinaus.

Als sie am Laden ankam, sah sie schon von draußen, dass kein einziger Kunde an der Theke stand, sie würde also mit ihm alleine sein. Sie nahm noch einmal tief Luft und lockerte dann ihr Schultertuch so weit, dass der schmale Streifen schneeweißer Haut über dem Ausschnitt ihres neuen Kleides sichtbar wurde. Ihr Herz begann aufgeregt zu pochen. Ob er es wohl heute wieder tun würde? Sie hielt ihren Blick vornehm gesenkt, als sie den Laden betrat.
“Guten Morgen, Fräulein Rottenmeier! Womit kann ich ihnen heute dienen?”
“Ich brauche heute drei Pfund Rinderfleisch, Herr Wilhelm.” Sie hielt ihre Augen weiterhin gesenkt, so wie es sich für eine Dame in ihrer Stellung geziemte. Und konnte seinen heißen Blick auf ihr freizügiges Dekolltee regelrecht spüren.
“Aber selbstverständlich, gerne, Fräulein Rottenmeier, kommt sofort!” Er überschlug sich fast vor Freundlichkeit, mehr als sonst, schien ihr. Nun ja, dass hatte sie auch nicht anders erwartet, nach dem begehrlichen Blick, den er ihr gestern zugeworfen hatte. Flüchtig natürlich. Es sollte ihr nicht auffallen. Aber sie hatte es bemerkt. Und war entsetzt. Was bildete der Mann sich ein, sie so anzuschauen? Erst als sie schon wieder zu Hause angekommen war, fiel ihr auf, dass der oberste Knopf ihres Kleides offen stand und ihr schoss nachträglich die Röte ins Gesicht. Wahrscheinlich hatte er angenommen, dass sie den Knopf absichtlich offen gelassen hatte! Extra für ihn. Damit er ihre Haut sehen konnte. Und hatte ihr darum im Gegenzug dafür nicht, wie üblich, die erstbesten Rippchen verkauft, die ihm ihn seine Finger kamen, sondern mit Bedacht besonders schöne ausgesucht. So schien es.
Sie sah ihm zu, wie er mit seinen kräftigen Händen ein Stück Rinderfleisch nach dem anderen kritisch begutachtete. Keines schien ihm heute gut genug für sie zu sein. Er wählte lange aus, bis er sich für ein besonders ansehnliches Stück entschied und es ihr einpackte.
Sie lächelte triumphierend. Männer waren ja so schwache Wesen, so leicht zu beeinflussen.
…Und wenn morgen Frau Stresemann die Familie mit ihrem allmonatlichen Wochenend-Besuch beehrte, dann würde die alte Dame vergeblich nach einem Grund suchen, um ihr wieder einmal schlecht eingekauftes Fleisch vorwerfen zu können. Ja, mehr noch. Frau Stresemann würde nicht umhin kommen sie für ihren guten Einkauf zu loben. Jawohl.

Allgemein21 Aug 2007 10:45 am

“Dieter Bohlen wartet auf Dich!” - Für einen Moment setzt mein Herzschlag aus. Ungläubiges Erstaunen erfüllt meinen Geist. Wach ich, oder träume ich? Wieso wartet er auf mich? Und wo? Die Nachricht hört sich wie eine Erinnerung an. So als hätte ich ein Date mit Dieter Bohlen gehabt und wäre nicht erschienen. Aber ich kann mich nicht erinnern, mit ihm einen Termin abgesprochen zu haben. Warum auch, wir kennen uns doch gar nicht.
Obwohl, klar, ich kenne ihn natürlich. Es gibt wohl kaum einen Menschen in unserem Land, dem sein Name kein Begriff wäre. Aber wir kennen uns nicht persönlich. Er weiß doch noch nicht einmal, dass es mich gibt. Nein, ich habe keinen Termin mit Dieter Bohlen, da bin ich mir ganz sicher. Wer schickt mir diese Mail überhaupt?
- Na, klar. Warum habe ich nicht sofort auf den Absender gesehen? Dann hätte ich mir die ganze Aufregung sparen können. Es ist nur der Newsletter, der mich auf des Dieters “Haus-Sender-Seite” locken und mich daran erinnern möchte, dass ich noch immer nicht meine Bewerbung zum kommenden DSDS-Casting eingereicht habe.
Ich spüre mein eigenes Lächeln, wie es mir nachsichtig übers Gesicht huscht… : “Liebe Leute, es ist ja nett von euch, dass ihr immer wieder an mich denkt. Aber ich muss eure Einladung leider wieder einmal ablehnen, denn mit sechsundvierzig Jahren bin ich doch wirklich schon zu alt für euer Casting. Bitte sagt Dieter Bohlen einen lieben Gruß von mir, er braucht nicht weiter auf mich zu warten, vielleicht schau ich ein ander Mal vorbei… zu einem “DSDS-Senior” , oder so was… *Lächel* ”

Zitate/"Weisheiten" and Allgemein21 Aug 2007 09:12 am

Alles ist gut
was man
gerne tut,
spielt keine
Rolle ob
bejubelt oder
ausgebuht!

( gefunden bei Torgen am Morgen )

Allgemein17 Aug 2007 06:54 am

Morgen-Seite

Dass ich so früh am Morgen schon in die Tasten haue ist eine völlig neue Erfahrung. Ich weiß noch nicht, ob mir das schmeckt und ob ich das beibehalte. Es ist heute mal nur ein Versuch. Denn es juckt mich in den Fingern auszuprobieren, ob das Sinn macht, mit den `Morgenseiten schreiben´, denn “die Autorin, deren Name mir jetzt nicht einfällt” hat das so empfohlen. Man soll sich schon früh am Morgen hinsetzen und aufschreiben, was einem gerade so durch den Kopf geht. Welchen Sinn genau diese Übung haben soll, das hab ich vergessen.
Seit mein Sohn seine Berufs-Ausbildung angefangen hat muss ich morgens eine Stunde früher aufstehen, als ich das gewohnt bin. Die erste Woche fiel es mir schwer, diese Woche geht es schon leichter. Vor zwanzig Minuten ist er zur Arbeit gefahren. Manchmal lege ich mich dann noch einmal ein halbes Stündchen ins Bett, bis ich meine Tochter für die Schule wecken muss. Meistens aber lege ich mich nur auf die Couch und gucke `Frühstücksfernsehen´, damit gehe ich der Gefahr aus dem Weg noch einmal fest einzuschlafen und vielleicht zu verpennen.
Heute Morgen hab ich nun die Couch gegen den PC-Stuhl eingetauscht um, wie schon gesagt, den Tipp von “der Autorin, deren Name mir jetzt nicht einfällt” auszuprobieren.
Tja, was schreib ich denn jetzt? Keine Ahnung.
Im Hintergrund läuft der Fernseher, mit dem Frühstücksfernsehen. Das Rollo habe ich noch nicht hoch gezogen, aber das Fenster schon weit geöffnet. Ich kann das Rauschen von Autos und LKWs hören, von der entfernt liegenden Autobahn. Ist mir noch nie aufgefallen, dass man das so laut bis zu ins hierher ins `Dörfli´ hört.
Auweia. Da kommt meine Tochter. Ich hab vergessen, sie zu wecken! “Hast du mir kein Frühstück gemacht?” meint sie erstaunt. Und zieht das Rollo hoch. Oh gott, wie hell. Jetzt wirds ungemütlich.
Tja, das war´s dann schon, mit meiner ersten Morgenseite…seufz…muss jetzt aufhören.
Den Sinn dieser Morgenseite habe ich noch immer nicht verstanden. Aber “die Autorin, deren Name mir jetzt nicht einfällt” wird sich wohl irgendwas bei diesem Tipp gedacht haben. Vielleicht wird es mir ja später klar.

Allgemein16 Aug 2007 01:15 pm

Seufzer

Montag, 13. August. In panischer Angst zu ersticken betrete ich die Praxis meiner HNO-Ärztin. Mir ist, als wenn mein Gaumen sich auf meine Zunge hinunter begeben hätte, kaum noch Platz zum Atmen. Mein Hals ist innen geschwollen und regelrecht zugeschleimt.
“Sie haben keine Überweisung? Dann müssen sie zehn Euro Praxisgebühr zahlen”, beantwortet das Mädchen am Empfang meine Auskunft, dass ich nicht erst zum Hausarzt, sondern sofort hierher gekommen bin.
Nicht verstehend starre ich sie an. “Aber ich habe doch meine Versichertenkarte dabei, dann brauche ich doch keine Überweisung!”
Nun ist es an ihr, nicht verstehend zu gucken. “Aber selbstverständlich brauchen sie auch eine Überweisung vom Hausarzt!”
“Seit wann denn das?”
“Schon seit einigen Jahren…” . Sie streift mich mit einem erstaunten Blick.

Nun erst wird mir klar, dass ich schon seit vielen Jahren nicht mehr hier war. Vermutlich seit dem Zeitpunkt, seit dem die Krankenkasse bei Erwachsenen die Kosten für Allergie-Medikamente nicht mehr übernimmt. Und ich meine Pollenkrankheit mit frei verkäuflichen Allergie-Medikamenten aus der Apotheke selbst finanzieren muss. Und da meine Beschwerden in den letzten Jahren im üblichen Rahmen waren, sah ich auch keinen Grund zu einem Besuch bei meiner HNO-Ärztin. Und hätte mich nicht die Panik ergriffen, dass mir trotz meines üblichen All-Round-Medikaments der Hals vollends zuschwellen könnte, dann wäre ich wohl auch jetzt nicht hier.
Ich gebe mich geschlagen und bezahle die zehn Euro.
“Wenn sie die Gebühr in diesem Quartal schon beim Hausarzt bezahlt haben, dann kriegen sie das Geld von uns zurück, wenn sie eine Überweisung nachreichen” erklärt sie mir, kassiert meine zehn Euro und reicht eine Quittung dafür hinüber.
Danach darf ich im Wartezimmer Platz nehmen. Gott sei Dank sind nur noch zwei Patienten vor mir. Ich muss nicht lange warten. Und als ich aufgerufen werde begebe ich mich eilenden Schrittes ins Sprechzimmer. Immer noch in der festen Annahme, in Lebensgefahr zu sein.

Und bin von der Diagnose meiner Ärztin vollends überrascht.
“Die Schleimhäute in ihrer Nase sind sehr stark angeschwollen. Da reichen die Tabletten alleine nicht aus. Sie müssen ein spezielles Nasenspray einnehmen, damit die Nase wieder frei wird.”
Ich bin baff. Und widerspreche ihr auf dem Fuss. “Das kann nicht sein. Meine Nase ist völlig frei, ich kriege wunderbar Luft!”
Sie lächelt verschmitzt.
Und in meinem Gehirnstübchen beginnt es zu dämmern. “Oder denke ich nur, meine Nase wäre völlig frei? Weil sie vielleicht schon seit längerer Zeit nur noch wenig Luft durchlässt, so dass ich das mittlerweile als normal ansehe und darum meine Nase für gut durchlüftet halte?”
Sie lächelt und nickt. Ich werte es als Zustimmung zu meiner Eigen-Diagnose.
“Und warum sitzt dann mein Hals voll mit Schleim, anstatt meine Nase?” frage ich misstrauisch, noch immer nicht vollends von ihrer Diagnose überzeugt.
“Weil der Schleim zu fest sitzt und vorne kein Platz zum Ablaufen ist, darum läuft er nach hinten ab, in den Hals.”
Das leuchtet mir ein. Ich nicke verstehend. “Und an dem Übel sind nur die blöden Roggen-Pollen schuld” ,gebe ich mein Fachwissen zum Ausdruck.
“Nein”, erklärt sie mir, ” der Roggen ist schon rum, zur Zeit wüten die `Unkräuter´. Und sie lösen in diesem Jahr so starke allergische Beschwerden aus, wie schon lange nicht mehr.”
Aha. Ich sacke ein klein wenig in mich zusammen. Und sehe vor meinem geistigen Auge, wie sich das eh schon breit gefächerte Sortiment meiner persönlichen Allergien um den Punkt `Unkräuter´ erweitert.
Ich seufze hörbar.
Sie seufzt auch. Mitfühlend. Lächelt dann aufmunternd. “Aber laut Bronchien-Test sind ihre Bronchien noch nicht verengt. Wir müssen also keine allzu starken Medikamente einsetzen.” Sie schenkt mir ein “Alles-wird-gut”- Lächeln.
Schön zu sehen, dass es auch in der heutigen Zeit beim Arztbesuch noch irgend etwas gratis gibt. Auch wenn es nur ein bestärkendes Lächeln ist.
Zum Abschied reicht sie mir ein Rezept für mein Nasenspray. Es ist kein rosa farbenes “zahlt-überwiegend-die-Krankenkasse”-Rezept. Nein, es ist ein grünes “musst-du-selbst-bezahlen”-Rezept. Ich seufze erneut. Sie seufzt auch. Verstehend. Fast entschuldigend.
In der Hoffnung, diese Praxis in der nächsten Zeit nicht noch mal von innen, sondern nur noch von außen im Vorbeigehen zu sehen, verabschiede ich mich von der Ärztin nicht mit einem “auf Wiedersehen”, sondern mit einem “Danke”. Und das meine ich wortwörtlich.
Denn ich bin froh, mich mit meiner chronisch-artigen Pollenkrankheit hier in dieser Praxis immer in guten Händen wähnen zu können. Wo es doch immer noch viele Ärzte gibt, die das Thema Allegien nicht ernst genug nehmen, diese Beschwerden bagatellisieren oder sich nicht ausreichend informieren und Allergien nicht erkennen. Obwohl mittlerweile 40 % der deutschen Bevölkerung an allergischen Beschwerden leiden.

Mit meinem grünen Rezept in der Hand tappe ich zur nächstliegenden Apotheke. Kaum Betrieb hier. Nur zwei Kundinnen stehen vor der Theke, eine Dame mittleren Alters mit rosa farbenem Rezept, die schon seufzend das Portemonnaie zückt, um ihre Zuzahlung zu bezahlen - und eine zierliche, ältere Frau die mit resigniertem Gesichtausdruck nun ihr Rezpt einer Apotheken-Gehilfin reicht. Es ist ein grüner Schein, so wie meiner. Die alte Frau wirft mir stumm einen “manchmal-weiß-ich-nicht-wovon-ich-alles-bezahlen-soll”-Blick zu. Ich gehe auf das stumme Gespräch ein, nicke ihr verstehend zu und antworte ihr mit einem “geht-mir-auch-oft-so”-Blick. Sie nickt und seufzt. Man versteht sich. Auch ohne Worte.

Als ich die Apotheke verlasse kommt mir der Gedanke, was denn wäre, wenn ich mir die neun Euro für das Nasenspray - das in ehemaliger Währung achtzehn DM kosten würde - nicht bezahlen könnte. Müsste ich dann elendiglich am Schleim ersticken?… Und ich wage kaum daran zu denken, wie es all den vielen Menschen ergeht, die am Existensminimum leben müssen und sich tatsächlich die selbst zu bezahlenden Medikamente nicht leisten können. Allein der Gedanke daran schnürt mir meinen geschwollenen Hals noch mehr zu. Und auch das Bewusstsein, dass ich dankbar sein sollte, weil es mir, trotz allen Problemchen, noch besser geht, als vielen anderen Menschen - kann meinen Unmut auf die Gesundheitsreform nicht mindern.

Allgemein09 Aug 2007 09:53 am

Naturgewalt

Der Regen prasselt geradlinig herunter. Mit einer Kraft, dass ich intuitiv den Kopf zwischen die Schultern ziehe, mich ducke, obwohl ich im Auto sitze und mich kein Tropfen trifft. Erbarmungslos trommelt er auf dem Autodach, in monotonem Rhythmus, herrisch, unnachgiebig, unausweichlich. Es gibt kein Entrinnen.
Ich beuge mich ihm. Fahre konzentriert. Auf der Autobahn steht das Wasser, wie nach einer Überschwemmung. Aquaplaning-Gefahr.

Wieder heil in meiner Wohnung angekommen fühle ich mich, als hätte ich ihm ein Schnippchen geschlagen, ihn ausgetrickst, mich ihm nun erfolgreich entzogen. Doch weit gefehlt. Ich höre sein Klopfen, auf Auto- und Hausdächern. Auch sein gebieterisches Schütten dringt unüberhörbar von draußen zu mir herein, demonstriert mit all seiner Macht, dass er der Herr im Haus ist und das Sagen hat. Keine Chance ihm zu entfliehen. Nicht drinnen und nicht draußen. Er ist allgegenwärtig. Und zieht sein Ding durch…
…und zeigt mir damit, was ich tun soll: mein eigenes Ding durchziehen. Ich seufze. Dann beuge ich mich meiner inneren Naturgewalt - haue in die Tasten und schreibe, schreibe, schreibe….

Zitate/"Weisheiten"06 Aug 2007 10:57 am

Es gibt keinen
erkennbaren Weg
vor uns, sondern nur
hinter uns.

(Waldemar Bonsels)

"Blogger-Stoeckchen" und Awards and Persönliches05 Aug 2007 02:45 pm

Uta hat mir ein “Stöckchen” zugeworfen. Ich habe es bereitwillig und gerne aufgefangen und damit die Aufgabe angenommen, ein bißchen was von mir zu erzählen. Und hier sind sie nun, die geforderten…

acht Punkte, die man über mich wissen sollte:

1. Man nennt mich Wally, weil ich diese Kurzform meines Namens seit meiner Kindheit trage. Spricht mich jemand mit meinem vollen, urkundlich eingetragenen, Taufnamen an, dann könnte es passieren dass ich ihn verwirrt anschaue, weil mir nicht sofort klar ist, dass er MICH angesprochen hat… Darum lege ich eingehende Rechnungen, die meinen ´richtigen´Vornamen tragen, erst einmal einige Zeit zur Seite, weil ich mich von ihnen nicht sofort persönlich angesprochen fühle…

2. Wir wohnen in einer kleinen Mietwohnung in der 1. Etage mit `Frischluft-Balkon´, mit lieben, netten Nachbarn und angenehm kurzen Wegen zum Einkaufen. Unsere kleine Familie besteht aus meiner pubertierenden Tochter, meinerm mittlerweile halb-erwachsenen Sohn und mir, der schreibenden Mutter, die seit geraumer Zeit die Hausfrau in ihr von Platz 2 auf Platz 4 ihrer Prioritätenliste verbannt hat. Im Gegensatz zu früher ist es mir heute wichtiger `mich zu leben´, als tagtäglich einen tipp-topp-sauber geführten Haushalt vorweisen zu können.

3. Meine größte Schwäche ist die Tatsache, dass ich im Gespräch mit anderen ständig dazwischenquatsche. Es frustriert mich immer sehr, wenn mir bewusst wird, dass ich schon wieder jemanden beim Reden unterbrochen habe, weil ich meine eigenen Gedanken nicht länger an mir halten konnte…seufzz… Dabei bin ich früher immer eine gute Zuhörerin gewesen…. Vielleicht hatte ich früher nicht so viel zu erzählen, wie heute? Ja, womöglich ist das des Rätsels Lösung. Denn seit ich schreibe habe ich auf einmal eine Menge zu erzählen. Und so wie ich schreibe, so rede ich auch: drauflos…

4. Wo es Schwächen gibt, da gibt es auch Stärken. Und meine größte Stärke ist, meiner Meinung nach, meine Zähigkeit. Das hat nichts mit Geduld zu tun! Nein, ganz und gar nicht, denn ich bin ein eher ungeduldiger Mensch. Mit Zähigkeit meine ich die Ausdauer an einer Sache dranbleiben zu können, solange sie es mir wert ist, durchgezogen zu werden.

5. Und dann gibt es noch den einen Punkt, der Stärke und Schwäche zugleich ist: meine Spontanität. Je nach Situation kann es passieren, dass ich entweder durch sie von einem Fettnäpfchen ins nächste tappe, mich furchtbar unbeliebt mache, oder - durch einen spontanen Entschluß mein Leben entscheidend und positiv verändere. So kam ich auch zum Schreiben. Durch den von-jetzt-auf-gleich-ohne-darüber-nachzudenken-Entschluß mich bei der SDS zu einem Schreib-Fernstudium anzumelden, nahm mein Leben eine von mir völlig unerwartete, positive Wende: Ich entdeckte die Lust am Schreiben… Mittlerweile ist aus der Lust eine Sucht geworden. Ich kann mir mein Leben ohne Schreiben nicht mehr vorstellen.

6. Mein Sternzeichen ist der Stier. Und genau so bin ich auch: mal gemütlich dahintrottend, mal von jetzt auf gleich fest entschlossen nach vorne preschend. Und wenn man mich zu sehr reizt, dann sehe ich ROT, brülle los und erschrecke mich selbst darüber, wie laut und keifend meine Stimme sein kann. Doch so schnell wie so ein `Anfall´ kommt, ist er auch wieder verschwunden, so als hätte er nicht stattgefunden. Typisch Stier, eben.

7. Ich mag Menschen nicht, deren Lieblingsbeschäftigung darin besteht über andere Menschen zu spotten, zu stänkern, zu hetzen und alles was diese tun schlecht zu reden. Mit solchen Menschen unterhalte ich mich nicht gerne und wende mich meist schnell von ihnen ab.

8. Die größte Liebe meines Lebens ist…die Musik. Sie gibt mir neue Energie, wenn ich mal down bin oder umstreichelt zärtlich meine Seele, wenn ich romantisch-melancholisch drauf bin. Sie ist immer für mich da, wenn ich sie brauche, in guten, wie in schlechten Tagen. Und ohne meine Liebe zur Musik wäre ich nicht der Mensch geworden, der ich heute bin. Und anders möchte ich nicht sein.

Und nun, am Ende meines `Outings´angekommen, reiche ich, hoffenden Herzens, dass sie es ergreifen, das “Stöckchen” weiter an:

“Mamü” - von der ich denke, dass sie auch Spaß an diesem Spiel hätte…

an

Sarah - von der ich nicht weiß, ob sie dies hier liest und ob sie, falls sie es liest, Zeit für das Spiel hat, weil ihre erste Lesung bevorsteht…

und ganz zaghaft lächelnd an

Yvonne - bei der ich nicht weiß, ob dieses Spiel “ihr Ding” ist…

an

Ika - falls sie vor dem großen Start ins NANOWRIMO 2007 noch die Zeit dafür aufbringen kann…

und in die Schweiz hinüber zu

Dodo - für den Fall, dass sie trotz der spannenden ´Verfolgung´ ihres “verlegten” Buches Zeit und Lust hat, sich an diesem Spiel zu beteiligen…

Ich bin natürlich keinem böse, der das Stöckchen nicht ergreifen möchte, hoffe aber auf ein bißchen Resonanz, damit das Spiel weiter laufen kann.

Noch ein kleiner Nachtrag: Habe eben bemerkt, dass das mit dem Verlinken nicht funktioniert hat. Hatte ich in meinem Text völlig vergessen zu erwähnen: Ich bin technisch völlig unbegabt…*augen roll*. Ich hoffe, ihr findet dennoch zu den Seiten. Die Adressen werden beim Berühren der Namen ja kurz eingeblendet.

Liebe Grüße
von Wally

P.S.
19.03 Uhr :
Erneuter Nachtrag: Habe dank Uta herausgefunden, wie man manierlich verlinkt. Die Links funktionieren jetzt richtig. Alles in Butter…*lächel*

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