"Gedankensplitter" (Schreibübungen)


"Gedankensplitter" (Schreibübungen)20 Apr 2010 11:03 am

Wärmende Sonne, eisblauer Himmel, frisch-kühle Luft.
Herrliches Wetter.
Die erste Waschmaschinen-Ladung läuft schon.
Meine Nase auch.
Auf die Pollen ist immer Verlass.

Gestern Wohnflur und Wohnzimmer,
heute noch Badezimmer und Küche,
dann ist alles wieder im Lot.
An Hausarbeit aufgeholt, was letzte Woche liegenblieb.
Ab morgen berufliches Arbeiten, bis Samstag durchgehend, volle Tagschichten.
Arbeiten, arbeiten, arbeiten….
zu Hause, im Beruf …

“Arbeit ist das halbe Leben” - tönen mir der Mutter mahnende Worte im Ohr.
Also: 50 Prozent Arbeit, 50 Prozent Freizeit.
Das wäre voll in Ordnung für mich, dieses Fifty-Fifty-Prinzip.
Wenn es denn so wäre.
Aber mein Leben besteht - Hausarbeit inbegriffen - zu neun Zehnteln aus Arbeit.
Bedeutet im Klartext:
Mein Leben besteht fast nur noch aus Arbeiten.

Wie gut ich es doch vor zwei Jahren noch hatte!
Vormittags mich dem Schreiben gewidmet,
ab Mittags dem Haushalt,
nachmittags freies Gestalten.
- Ich hab es nicht zu schätzen gewusst.
Oftmals die Zeit verbummelt, nicht genutzt.

Und heute, im Jetzt:
vor lauter Arbeit kaum noch Zeit für mich
und fürs Schreiben.
Gefällt mir nicht.


3 Tage Vollzeit arbeiten, mit angemessener Bezahlung
= 3 Tage frei für Hausarbeit und Schreiben.
Das würde mir gefallen.

Das hätte wieder mehr was mit `Leben´ zu tun.
… “Hallo, Universum! Kannste mal gucken, ob sich da was machen lässt?” …
*ganz lieb guck*
Ist doch nicht zu viel verlangt, oder?
Nein, sogar eher bescheiden, finde ich.

Auf dem Wohnzimmertisch surrt unser neuer Mitbewohner.
Eine Tisch-Uhr.
Hat Fräulein Tochter gestern mit nach Hause gebracht, selbst angefertigt, an ihrer Schülerpraktikumsstelle.
Ein schönes Ding.*stolz guck*

… Wenn nur der Sekundenzeiger nicht so mahnend surren würde.

Mir in der Stille des Zimmers deutlich macht, dass mir die Zeit mal wieder durch die Finger rinnt.
Mir ins Bewusstsein bringt, dass die Waschmaschine nicht mehr läuft. Fertig ist.
Die Wäsche aufgehängt werden muss.
Dann das Badezimmer gereinigt,
anschließend die Küche auf Vordermann gebracht.
Damit alles im Lot ist,
bevor für den Rest der Woche von mittags bis abends
die Zeit mit `Brötchen verdienen´ gefüllt ist.

Am liebsten würde ich die Zeiger der Uhr festhalten,
zum Pausieren zwingen,
um wieder mehr Herr über meine Zeit sein zu können.

Die Zeit, sie läuft und läuft, sie rast …
mir mal wieder davon.
*stöhn*

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"Balkongedanken" and "Gedankensplitter" (Schreibübungen)23 Mrz 2010 12:13 pm

Der Winter
war zu mächtig,
kalt und
gnadenlos
bot keine Chance
ihn unbeschadet
zu überstehen,

von Nässe, Frost
und Trübnis gepeinigt,
Deutlich seine Spuren
Plessuren,
erschlafft, leblos,
kaputt.

Doch nun kommt
Er daher,
der Frühling,
nun zeigt
Er
seine Macht,

zeigt,
dass manches
was verendet scheint,
doch noch Kraft
haben kann,
sich aufzubäumen,

beweist,
dass aus
Trümmern
neues Leben
wachsen kann,

jedes Ende
ein neuer Anfang
ist,

bringt Zuversicht,
schenkt Vorfreude
darauf,
sich zu recken, zu strecken,
neu und kräftig zu wachsen,
aus dem Dunkel heraus
ins Licht.

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"Gedankensplitter" (Schreibübungen)18 Nov 2009 01:00 pm

Wie in jedem Jahr, wenn `St.Martin´ und kurz darauf der Geburtstag meiner Tochter vorbei ist, habe ich auch nun das Gefühl:
der `Endspurt´ ist eingeläutet, das Jahr bewegt sich in schnellen Schritten auf sein Ende zu! Und zwar so zügig, als könnte es kaum erwarten, Platz zu machen für ein neues.
Die Tage scheinen mir viel schneller zu vergehen, als in den letzten Monaten :shock: .
Und nach dem Motto: der Countdown läuft! …
bricht in mir ungewollte Hektik aus. Denn ich wollte doch noch dieses und jenes tun, in diesem Jahr und auch noch …

Okay, ganz ruhig … hab doch vieles durchgezogen und einiges vorangetrieben was mir wichtig war. Habe agiert, anstatt resigniert. Also, ein bißchen Schulterklopfen darf ich mir durchaus gestatten :cool: … auch wenn ein paar Punkte übrig bleiben, die noch (immer) nicht abgehakt ist *seufz* .

Quälend vor allem der Gedanke, dass ich in diesem Jahr sehr viel weniger Zeit mit Schreiben verbrachte, als in den Vorjahren. Die Ausbeute meiner diesjährigen `schriftstellerischen Werke´ ist verschwindend gering, kaum vorhanden. Von meinen vier Romananfängen ist noch immer keiner zu einem fertigen Manuskript gewachsen :-( . Ich bin als Autorin stehen geblieben, hab mich nicht weiter entwickelt, schlimmer noch, ich hab mir als Grund fürs nicht-schreiben “hab leider grad keine Zeit” aufs Banner geschrieben…*Kopf schüttel*
… und frage mich mittlerweile, ob es sein kann, dass mir das Schreiben doch nicht so viel bedeutet, wie ich mir sicher war zu wissen… ? :shock:
Es ist doch erst ein paar Monate her, als ich Schreiben als einen mir wichtigen Lebensinhalt bezeichnete, und nun - hat es sich so weit (bzw ich mich von ihm) entfernt, dass ich mich wie ein `Grenzgänger´ fühle: Ab und zu mache ich `einen Besuch´ in meinem Schreibkämmerlein, schreib ein bißchen rum und dann: … denn Tschüß bis nächstes mal *winkewinke* :-(

Eines steht fest: dieses Jahr hat meine lang gehegten Prioritäten vollends auf den Kopf gestellt. Wenn auch in manchen Dingen gezwungermaßen, so hab ich mich doch häufig mehr vom Alltag `gängeln´ lassen, als meine Schritte selbst zu gehen. Einzig der Gedanke, dass ich dieses Jahr eine (kleine) berufliche Besserstellung erreichen konnte, tröstet mich. … Wobei, wenn ich ehrlich bin, war auch dies nicht unbedingt `mein´ Werk, sondern eher eine Gunst des Schicksals.
… Aber vielleicht muss das ja so sein, dass man sich auch mal `gängeln´ lässt, um so das Gehen neu zu lernen? - Denn wenn ich eines gelernt hab ich in diesem Jahr, dann ist es : neue Schritte/Wege zu gehen. Das ist Fakt.
Also, doch kein so schlechtes Jahr ;-) .
Und jetzt: ab in den Endspurt!

"Gedankensplitter" (Schreibübungen) and Geschichten18 Sep 2009 11:07 am

Scheiß Betriebsfeier.
In Karen brodelte es.
… Wie dieses junge Ding ihn anschmachtete, echt peinlich, das mit ansehen zu müssen. Und wie er darauf einging, noch schlimmer, flirtete wild mit ihr rum, so wie es seine Art war, das machte er ja mit jeder!
Fast jeder.
Was bildete der sich eigentlich ein! Dachte wohl, einem strahlenden Blick aus seinen nachtblauen Augen könnte keine widerstehen! … So schön war er ja nun auch wieder nicht, und Charisma hatten andere Männer auch, obwohl `Mister Selbstherrlich´ scheinbar dachte er hätte dies für sich allein gepachtet! … tss …

… Jetzt beugte er sich auch noch zu ihr herab … er wird doch wohl nicht hier vor allen Mitarbeitern…? ! … Nein, natürlich nicht, … hach… , denn er würde es sich ja dann mit den anderen Damen verderben … tss …
Jetzt flüsterte sie ihm was ins Ohr … diese dumme junge Zicke merkte gar nicht, dass er nur mit ihr spielte .. Kopf schüttel - und `Mister-von-und-zu-Charisma´ genoss natürlich sichtlich diese Anschmachterei, was auch sonst… und ließ zwischendurch tatsächlich noch seinen Blick über die anderen Partygäste kreisen - wahrscheinlich suchte er sich schon das nächste Opfer aus … der war echt unverbesserlich … Und Carmen aus der EDV Abteilung biss natürlich sofort an und saugte sich an seinem Blick fest! … War klar, die ließ ja keinen aus. Und wenn `Mister-bin-der-schönste-beste ´ sie schon mal mit seinem Blick beehrte …
wahrscheinlich würde sie es sogar schaffen ihn von der Party weg in irgendwelche dunklen Ecken zu ziehen und …
Brodel. Karen zwang sich den Kopf wegzudrehen.
Was regte sie sich eigentlich so auf? War ihr doch scheißegal mit wem er … Hauptsache, sie würde selbst nicht auf ihn reinfallen, nein das würde sie keinesfalls, denn `Herr Robert Selbstherrlich´ interessierte sie nicht die Bohne, einen solchen Typen würde sie noch nicht mal geschenkt haben wollen! Kalt abblitzen lassen würde sie den, wenn er auch nur den Versuch wagen würde!

Zeit sich abzukühlen.
Karen schüttete ein Glas Sekt auf ex runter.
Hmmh, das tat gut. Und gleich noch eins hinterher. So. Und nun hatte sie Bock abzutanzen. Und da die anwesenden Damen ja scheinbar alle auf `Mister - Charisma´ fixiert waren … dürfte es ja kein Problem sein einen Tanzpartner zu finden! Sie würde einfach den erstbesten nehmen, der ihr begegnete.
Gedacht, getan, ließ sie ihren Blick schweifen.
Und zuckte zusammen, als sich eine feste Hand wärmend auf ihre Schulter legte. “Hallo Karen. Wir beide haben noch nie miteinander getanzt. Das müssen wir unbedingt sofort nachholen!”
“Aber klar, gerne!” brachte sie gerade noch heraus, bevor sie sich bereitwillig zur Tanzfläche führen ließ …
… um sich widerstandslos im Strahlen seiner nachtblauen Augen zu verlieren… Ach, Robert, tönte es in ihr, schmelz, schmacht …

( Dieses kurze Geschichtlein ist mein Beitrag zur aktuellen Schreibaufgabe für unseren Autoren-Stammtisch, Thema: Eifersucht ;-) )

"Gedankensplitter" (Schreibübungen)04 Sep 2009 11:47 am

War´s das jetzt? Immer so weiter, bis in die Rente … hmmh..

Hör endlich auf zu grübeln! Geh einfach hin und mach dein Ding!

Das hatte ich ja vor, aber irgendwie funktioniert es nicht, weil …

Weil, was? …

Weil mir das nicht genug ist, meistens.

Meistens nicht, aber manchmal schon…?

Ja, manchmal schon, aber meistens nicht … hmmmh…

Nun hast du endlich mehr Arbeit und bist noch immer nicht zufrieden? ! *kopf schüttel*

Ich weiß, ich bin undankbar :-(

Ja, allerdings! Geh´ dahin und mach dein Ding! Und fertig. Punkt.

Aber dieser Zwiespalt macht mich so unzufrieden, so mürbe :-(

Nee, nicht der Zwiespalt macht dich mürbe, sondern DU zermürbst dich, weil es nicht nach deiner Nase geht, du es lieber anders hättest. - Wo liegt denn genau das Problem? *stöhn*

Weiß ich auch nicht so genau … irgendwo zwischen geistig genervt und körperlich nicht ausgelastet … so beides zusammen, irgendwie *seufz*

Unausgeglichen?

So könnte man es nennen, ja, hmmmh .

Kannst dich doch zu Hause auspowern, da haste doch Arbeit genug!

Das ist nicht dasselbe.

HäääH ? *versteh nur Bahnhof*

… So ist es eben nur ein Job.

Äh, ja, und? Ein Job ist ein Job, ist ein Job … Ist doch alles paletti. Was willst du noch? :roll:

Mehr, eben.

Und `mehr von was´? *irritiert guck*

Hmmh .. mehr Abwechslung, vielleicht? …

(mehr Abwechslung vielleicht? *nachäff*) Und wenn du die dann hättest, dann wär es auch wieder nicht richtig, wärst du trotzdem nicht zufrieden, nur anders unzufrieden als jetzt *vermute stark*

Hmmh, vielleicht wär es so, vielleicht auch nicht, weiß nicht … aber ich hab ja gar nicht die Chance es auszuprobieren!

AHA ! Da liegt der Hase im Pfeffer! Du bist nur stinkig, weil du keine Chance, keine Wahl hast!

*rotwerd* … Kann sein …

… Oh, je … *versteh jetzt* … du kannst dich nicht mehr damit abfinden, einfach nur deine Zeit abzusitzen/-stehen, nicht wahr … ? *verständnisvoll guck*

So ist es … *seufz laut*

*mitleidig guck* - Aber das hat doch jetzt fast ein Jahr lang super geklappt, warum jetzt nicht mehr?

Weiß ich auch nicht. Keine Ahnung. :-(

*angestrengt überleg* …. Im Moment kannst du nichts daran ändern. Versuche einfach dich damit abzufinden, zumindest vorläufig, damit du innerlich wieder zur Ruhe kommst…

Fällt mir schwer.

Ich weiß. *seufz* Aber erinnere dich mal ein paar Wochen zurück, da war das, was du jetzt tust ein Lichtblick für dich! .. Und eigentlich gehst du doch auch gerne dahin, oder … ? *zwinker*

Ja, eigentlich schon, meistens *lächel*

Na also *erleichtert auspust* - Und was hast du für morgen vor …? … *test*

;-) … Ich geh dahin und mach mein Ding … :-)

Jawohl. Gut so. Bin stolz auf dich :-) .

"Gedankensplitter" (Schreibübungen)18 Aug 2009 12:21 pm

Allein mit mir
an diesem Morgen,
endlich wieder;

Kochen erst heut Nachmittag,
zur Arbeit erst heut abend,
Wohnung ist aufgeräumt,
Wäsche flattert im Wind,
Zeit für mich.

Streife durch die Blogs,
lese ohne Hast,
hinterlasse meine Spuren;
Schreibe, schreibe, schreibe,
auch ein bißchen hier

Freue mich,
mal wieder da zu sein,
wo ich am liebsten bin:

in mir .

"Gedankensplitter" (Schreibübungen)08 Jun 2009 12:27 pm

Bin fahrig, nervös, gereizt. Meine Augen brennen. .
Suchen, anklicken, lesen, zurück zur Liste … suchen, anklicken, lesen …
Tag für Tag. Stundenlang.
Immer dasselbe.

Berufsanfänger gesucht; Schulausbildung nicht relevant;

Verdienst: ? - entweder ohne Angabe, oder nach Vereinbarung … vermutlich wieder ein Job mit höchstens 5 Euro Stundenlohn

Englisch fließend in Wort und Schrift gewünscht; Türkisch zwingend erforderlich, Russichkenntnisse gern gesehen, Italienischkenntnisse von Vorteil … - wer in Deutschland arbeiten will, muss `ausländisch´ können, scheint mir

Angebot nur für Arbeitssuchende mit Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt … - ja, ist klar, wer, so wie ich, keinen Gutschein hat, bleibt von vornherein draußen. Ausgeschlossen. Keine Chance auf die Stelle, einerlei wie hoch qualifiziert.

Personaldienstleister, Zeitarbeit … also kein regelmäßiges Gehalt, Bezahlung nach geleisteten Stunden, wenn man dann welche vermittelt kriegt, nein, danke, hab ich schon

Suchen, anklicken, lesen, zurück …
Stöhn.

Hab keinen Bock mehr auf das Rumgesuche und Geklicke. Es nervt total.

Brauche eine Pause.

Träume mich einfach weg …

… ich sitze lässig auf dem Sofa, das Laptop auf meinen Knien, haue in die Tasten, schreibe an meinem neuesten Roman … das Geld fließt automatisch auf mein Konto, aus den Tantiemen meiner vorangegangenen Bestseller … “ich bin für heute fertig” verabschiedet sich gerade mein Hausmädchen, meine Perle, die gute, bestimmt hat sie auch wieder alles weggebügelt, wie immer … die Sonne scheint, drinnen und draußen …

Träumen macht Spaß…

Genug gesucht und geklickt für heute.

Träume lieber noch ein bißchen weiter …

"Gedankensplitter" (Schreibübungen)25 Mrz 2009 09:59 am

Strahlend weiße Zähne aus einem breit lächelnden Mund – Emilia hasste ihr puppenhaft eingemeißeltes Spiegelbild, auch die gestellte Fröhlichkeit, die sie dem Blick ihrer braunen Augen zu geben vermochte. Nur sie selbst sah die unendliche Traurigkeit darin, anderen blieb sie verborgen.

`Jahre lange Übung, macht eben den Meister´, ließ sie stumm ihrem Sarkasmus ein wenig Lauf. `Porzellangesicht, veränder´ dich nicht, denn nur so … wollen sie dich´. Wen interessierte schon, wie es in ihr aussah, wie sie sich fühlte, was sie dachte. Keinen Menschen interessierte es… auch Emilia selbst, interessierte es schon lange nicht mehr.
`Alles im Leben hat seinen Preis, und ich hab entschieden, so zu sein, wie sie mich haben wollen, also, warum so traurig?´
Sie besaß ein prall gefülltes Bankkonto, hatte bereits die halbe Welt bereist, traumhaft schöne Strände und Städte gesehen, war in der Welt der Reichen und Schönen zu Hause, das alles war doch so viel mehr - … als das Häuschen im Grünen, dass Frank ihr hätte bieten können. War doch viel mehr wert, als seine Liebe zu ihr, die in seinen Augen erlosch, als sie sich gegen ihn und für die Karriere entschieden hatte.

„Emilia! Wo bleibst du denn? Spiel hier nicht die Diva! Höchste Zeit, es geht gleich los!“ Bernard hämmerte wütend an die Tür.
„Sorry, hab nicht auf die Uhr geguckt, ich komme sofort!“ ließ sie zuckersüß ihre Stimme nach draußen dringen, wohl wissend, dass sie Bernard sofort besänftigen würde.
„ Okay, bitte beeile dich, es ist wirklich höchste Zeit, der Saal ist proppevoll, wir müssen loslegen, die werden schon ungeduldig.“
Sie hörte, wie seine Schritte sich entfernten.
Prüfte im Spiegel ihren Gesichtsausdruck, regulierte ihn, bis sie aussah, wie die Meute sie sehen wollte, so, wie es zum Thema passte. Erhob sich dann schwungvoll.
Fühlte ihre langen schlanken Beine, die sie wie immer fest und sicher tragen würden, hinaus aus der Garderobe, auf den nächsten Laufsteg, auf die nächste Sprosse ihrer Karriereleiter. Die Modenschau heute Abend war besonders wichtig. Die Reichsten der Reichen waren versammelt.
Emilia trat auf den Flur. Zog ihre Garderobentür fest hinter sich zu.

Schloss sie ein, die Sehnsucht, nach der zärtlichen Männerhand die früher einmal liebevoll ihr Gesicht liebkost hatte. Schloss sie ein, das dunkle Blau der Augen, das ihrem Herzen einst Wärme schenkte und den Körper, der immer wieder aufs Neue die Leidenschaft in ihr entfacht hatte. Schloss sie ein, weg, die Erinnerungen. Richtete ihren Blick entschlossen nach vorn.
Der Laufsteg rief. Und sie lief ihm eilig entgegen. Ihm, und ihrem erwählten Leben.

( Zur Erläuterung: Diese Schreibübung basiert auf einer `Stammtisch-Hausaufgabe´ . Aufgabe war, zu einem vorgegebenen Foto eine kleine Geschichte zu erfinden. Das Foto (von Martina-Mamü) zeigte eine Puppe, die in der glänzenden Waschtisch-Armatur ihr eigenes Spiegelbild sieht. )

text-stammtisch.JPG

( Foto: Martina Müller )

"Gedankensplitter" (Schreibübungen) and Alltag19 Jan 2009 01:26 pm

Ich hätte ja große Lust …*überleg*

Vergiss es! Es muss so stehenbleiben, geht nicht anders. Alles muss an seinem Platz bleiben, weil der Raum zu klein ist zum Variieren, zum Verändern.

Aber es sieht so langweilig aus! Ich kann´s echt nicht mehr ´sehen…

Ja, stimmt. Am besten alles rausschmeißen, neues Sofa kaufen, ganz neu einrichten.

Hmmmh… Aber ob neu oder alt: das Eck-Sofa muss an diese Wand gestellt werden. Anders geht es nicht. Wegen dem Lichteinfall und auch wegen dem Fernsehanschluß und überhaupt … alles neu … ja klasse, gerne, Frage ist nur, wer bezahlt *grummel*.

Dann mach es wie früher: aus Altem ein neues Umfeld gestalten, mit dem, was du hast. Hat dir doch früher immer Spaß gemacht! Dreh das elende Sofa einfach mal rum. Stöhn.

Und dann? - Dann steht die lange Seite mitten im Raum und stößt an Stühle und Esstisch, den müsste ich dann quer stellen … was überhaupt nicht gut aussieht, wie du weißt … hatten wir ja schon mal… *Resignier*

Dann tu sonst irgendwas! Aber steh nicht länger hier in der Gegend rum, in diesem Chaos, das du hier jedesmal fabrizierst, nur um die Fenster zu putzen. *Stöhn laut*

… Hmmh… Wenn ich schon mal dran bin, könnte ich ja auch das Sofa mal von der Wand schieben und mal wieder drunter putzen ….

… wer weiß, was dich da drunter erwartet … willst du dir das wirklich heute noch antun? Ist doch schon bald Abend…

Von “will” ist keine Rede, eher von “wäre dringend nötig”. Seufz.

….

************

Haste gut gemacht, nun ist die Ecke wieder blitzblank! *Schulter klopf*.

Ja, das hat sich echt gelohnt *Stolz guck*.

Nun mach voran, ist schon dunkel. Schnell wieder alles an seinen Platz!

Aber … Wenn ich schon mal dran bin …
dann könnte ich auch noch schnell das CD Regal ausräumen und sauber machen!…

Du meinst doch hoffentlich nicht den CD Ständer, mit der Lampe dran? *Entgeistert guck*

Doch, genau den.

Och nee! Das dauert ja ewig!

….

*********

Okay, alles sauber, nun räum ganz schnell die CDs wieder ein, damit es voran geht! *Seufz schwer*

… Hmm… wenn ich schon mal dran bin …
dann könnte ich ja den Cd Ständer mal irgendwo anders hinstellen. Hier neben der Tür gefällt er mir eigentlich schon lange nicht mehr… und wenn ich ihn erst mal wieder eingeräumt habe, dann lässt er sich nicht gut umstellen, weil dann die CDs rausfallen, also besser, ich verschiebe ihn jetzt, solange er noch leer ist …

Und wohin, Frau Schlauberger? *Stöhn*.

Vielleicht hinten in die Ecke? …

Aber da muss doch das Sofa wieder hin, an diese Wand!

Dann kommt es eben ein Stückchen von der Wand weg, der Ständer ist ja schmal.

Und wie kommst du dann an die CDs und an den Schalter für die Dimmer-Leuchte, wenn das Sofa davor steht? *Besserwisserisch guck*

… Hmmh … stimmt, das wäre äußerst unpraktisch … aber …
wenn ich schon mal dran bin, dann …

Dann, waaas??? *Genervt guck*

… dann könnte ich das Sofa versuchsweise mal drehen, mit der langen Seite in den Raum rein …

Aber das wird doch zu eng! Und es passen nicht mehr alle Stühle an den Esstisch!

… Hmmh…
eigentlich brauchen wir ja eh nie sechs Stühle, meistens nur drei, auch schon mal vier … zwei Stühle sind sowieso überflüssig, so im normalen Alltag, meine ich …
… und wenn ich schon mal dran bin …
dann könnte ich ja zwei Stühle wegnehmen und sonstwo unterbringen … und auch wenn das mit dem Sofa nicht klappt … ist das eine gute Idee, weil, dann ist mehr Platz hier! *Erleuchtet guck*.
… Aber erst mal das Sofa umsetzen…

Dann mach hin! *Ächz*

****

Wow! Wer hätte das gedacht! Das sieht ja richtig gut aus! Irgendwie neu…
Und den Fernsehtisch schräg in die Ecke zu stellen, war auch `ne gute Idee *Gratulier*. … Aber was machen wir jetzt mit dem Gummibaum und dem kleinen CD Schrank? Für die ist da nun kein Platz mehr, weil der Couchtisch jetzt längs steht. *Grübel*.

Hmmmh… die könnten wir ja neben die Tür stellen, wo vorher der CD Ständer stand.

Aber das steht doch das Tischchen mit dem Cd-Player!? …

Ja, wenn ich schon mal dran bin …
dann kommt das jetzt eben da auch noch weg, ist mir schon lange ein Dorn im Auge.

Und wohin damit?

Weiß noch nicht… Erst mal räume ich die CDs in den Ständer, damit ich den Esstisch frei kriege und ihn wieder dahin stellen kann, wo er hin gehört.

… Ich ahne Böses … wahrscheinlich …

Ja, genau ! … wenn ich schon mal dran bin …
dann kann ich die CDs auch gleich neu ordnen, mit System, nach Sänger und Gruppen und so.

*Stöhn*. *Kopf schüttel*.….

*****

Sieht schön aus, alle Cds mit dem Cover nach vorn! Wie ne Bildergallerie! Und überhaupt, mit dem Dimmerlicht in der Sofa-Ecke, ach … *schwärm*

Ja, ein idyllisches Plätzchen, wie ne kleine Kuschel-Insel … *freu*

… eine Oase *schmacht* …. Und der Gummibaum und das CD Schränkchen machen sich auch prima an ihrem neuen Platz! - Aber wohin jetzt mit dem Cd-Player und seinem Tischchen? *Stirn runzel*

Hmmh… der Player ist wahrscheinlich zu breit, um ihn auf die Oberkante vom Cd Schränkchen zu stellen … oder? Kann´s ja mal ausprobieren…

Na, also geht doch! Hätte nicht gedacht, dass das breite Gerät da drauf passt!

*freu* Da sieht man´s mal wieder: probieren, geht über Studieren.

Oh, bitte, jetzt kein theatralisches Gefloskel *Augen verdreh*. Jetzt schieb endlich den Esstisch und die Stühle wieder an ihren Platz … oh, je, und was, wenn das jetzt nicht mehr passt und alles ans Sofa stößt?

Hmmh… Weiß nicht… Aber zuerst … wenn ich schon mal dran bin …
dann schrubbe ich da erst mal gründlich den Boden, bevor der schwere Tisch wieder hin kommt.

Hände über dem Kopf zusammenschlag.

… Und dann müssen die Fliesen erst noch trocknen, bevor ich alles hinschieben kann.

Stöhn.

… Und in der Zwischenzeit, bis der Boden getrocknet ist …
wenn ich schon mal dran bin …
dann reibe ich die Essplatte noch schnell mit Zeugs ab, damit sie wieder schön glänzt, und die Sitzpolster der Stühle sauge ich auch noch schnell ab …

( ähm, ist klar, so macht ein Samstag abend richtig Spaß. *Seufz*.)
…..

****

… Will ja nicht meckern, aber ist schon ein bisserl eng geworden, mit dem Sofa, so nah am Esstisch…

Ja, aber, Hauptsache, dazwischen ist noch Raum genug, um durchzugehen… und wenn hier einer auf dem Stuhl sitzt … guck … da ist doch noch Platz genug dazwischen! Oder? …

Ja, ja, reicht völlig, *eifrig nick* , aber jetzt machen wir Feierabend, okay?

Hmmmh… Zuerst muss das Tischchen noch irgendwo hin *grübel*, hier, neben dem Fernsehschrank kann es erst mal stehenbleiben, hier stört es nicht, ich kaufe am besten eine hohe Pflanze für drauf, macht sich bestimmt gut … Und jetzt, jetzt muss ich mir erstmal was zu essen machen, hab voll Hunger! Und dann … wenn ich schon mal dran bin …

Hääääh ???

… wenn ich schon mal dran bin …
mit Pause machen… dann hau ich mich den Rest des Abends aufs Sofa und genieße unser neues Wohnzimmer-Outfit *lach*

Endlich!!!
:-)

"Gedankensplitter" (Schreibübungen) and Allgemein11 Nov 2008 12:14 pm

Manchmal scheint mir, das Leben wäre eine einzige Kreuzung. Kaum hab ich mich für einen Weg entschieden, gehe die ersten Schritte darauf, dann tut sich schon die nächste Weg-Gabelung auf. Wieder ist eine Entscheidung gefragt, die Frage, möchte ich mich strikt auf meine gewählte Hauptstraße konzentrieren - oder will ich nebenher auch Nebenwege beschreiten, die mich kurzzeitig von der Hauptstraße abbringen? Und über all dem die erdrückende Frage: Wo verläuft eigentlich mein Hauptweg? Ist es der, den ich vor kurzem neu eingeschlagen habe, auf dem ich nun gehe, oder war es der, den ich verlassen habe …?

Seit einer Woche steht mein Leben auf dem Kopf. Obwohl ich bisher nur dreizehn Stunden in meinem neuen Job gearbeitet habe, fühle ich mich überanstengt. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, bin ich völlig platt. Nix geht mehr. Nur noch ab aufs Sofa, hinlegen, ausruhen, noch nicht mal zum Lesen kann ich mich aufraffen und auch der PC kann mich nicht locken. Ich spüre sehr intensiv, wie sich in mir etwas verändert. Mein neuer `Hauptweg´ macht mir Spaß, auch wenn die Schritte darauf noch schwer und anstrengend sind.
Einerseits fehlt mir zwar das Schreiben, und ich werfe ab und zu sehnsüchtige Blicke von meinem `Hauptweg des Brötchenverdienens´ hinüber zum `freizeitlichen Nebenweg´, der mich zum Lesen und Schreiben in den Blogs einlädt - andererseits ist mir, als hätte ich mich in kürzester Zeit meilenweit vom Schreiben entfernt, so sehr, dass ich, tatsächlich, kaum noch das Bedürfnis zum Schreiben verspüre und wenn, dann währt die Schreiblust nur kurz. Eine seltsame Erfahrung für mich, zu erfahren, wie schnell ich die Richtung wechseln kann, ohne mit der Wimper zu zucken. Es erstaunt mich und macht mir Angst.
Jahrelang war das Schreiben und alles, was damit zusammenhängt meine Haupttätigkeit, mein Hauptweg, doch binnen einer Woche degradiere ich all die Jahre kompromisslos zum Nebenweg. Was ich bin ich nur für ein Mensch? - Vielleicht einer, der dabei ist, sich neu zu entdecken, sich neu `zu erfinden´, sich jetzt neu kennenlernt, wo er die eingefahrenen Gleise verlassen hat?

Heute hab ich frei, brauche nicht zur Arbeit. Und mein erster Weg führte heute Morgen erstmals wieder nach dem Frühstück, in alter Manier, zum PC. Nun sitze ich hier und haue in die Tasten.
Lustvoll.
Und voller Freude darüber, wie Gedanken zu Worten werden, aus Worten Sätze entstehen, sich ein Text entwickelt.
Heute ist das Schreiben mein `Hauptweg´ und die Verdien-Arbeit weit entfernt, auf einem Nebenweg. …
Vielleicht ist der Hauptweg des Lebens kein bestimmter Weg, sondern immer der, auf dem wir uns gerade befinden, der, auf dem unser Leben stattfindet, einerlei ob auf der Arbeit oder vorm PC oder beim Erledigen der Hausarbeit, oder Entspannen auf dem Sofa, oder beim Besuch auf dem Sportplatz, um Fräulein Tochter beim Fussballspiel zuzusehen, oder beim Aller-Welts-Gespräche führen mit dem Sohnemann und …
vielleicht gibt es in Wahrheit gar keine Haupt- oder Nebenwege im Leben, auch keine Kreuzungen, sondern es gibt nur einen einzigen, “den” Weg, den auf dem wir leben, einerlei wo, mit wem, warum und wann.
Das Leben, ist der Weg.
Ja, mit dieser Sicht der Dinge kann ich gut leben.

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