Kinderkrimi ( Anfang )
Das unheimliche Mietshaus ( Arbeitstitel )
1 –
Benji warf einen verächtlichen Blick über den Schulhof zur Pausenhalle, wo der neue Mitschüler an die Wand gelehnt stand um sein Pausenbrot zu essen. „Ich mag den Neuen nicht, der ist irgendwie arrogant“, sagte er und kräuselte ablehnend die Mundwinkel.
Tom folgte Benjis Blick und nickte zustimmend. „Ja, find ich auch. Hält sich wohl für oberschlau! Und wie er alle paar Sekunden seine Brille zurecht rückt. Echt ätzend. Als wäre er der Herr Professor persönlich.“
„Und wie der angezogen ist! Fehlt nur noch ein Schlips auf dem Hemd und eine Aktentasche unterm Arm, dann sieht er in echt aus wie ein Professor.“ „Da hast du Recht“, prustete Tom laut lachend los. „Aber es sind ja bald Sommerferien“, sagte Benji vergnügt, „danach gehen wir beide zur Realschule und der geht zum Gymnasium. Dann sind wir ihn wieder los.“„Na, du vielleicht, aber ich nicht! Ich werde seinen Anblick hin und wieder ertragen müssen. Mister Oberschlau wohnt nämlich in unserer Straße, hab ich gestern gesehen.“„Echt? Au Backe. Ich bedaure dich. Wo wohnt der denn?“ „In dem Mietshaus an der Ecke, das Haus mit den großen Fenstern, die so aussehen wie Türen“, erklärte Tom.
“Das mit den grünen Fensterrahmen?“ „Ja, genau das.”Die Schulglocke erklang, die Pause war beendet. Benji kickte lässig sein leer getrunkenes Trinkpäckchen in Richtung Abfalleimer. Dann schlossen sich die beiden schweigend den anderen Schülern an, die sich jetzt in Scharen auf den Schuleingang zu bewegten.
Sie hatten gerade die überdachte Pausenhalle erreicht, als eine laute tiefe Stimme hinter ihnen erklang.
„Benjamin Grüne?“
Benji zuckte zusammen. Diese Stimme war ihm wohl vertraut und ihr Klang verhieß nichts Gutes.
Mit einem zaghaften „Ja?“,drehte er sich widerwillig um.
„Die Abfalleimer auf dem Schulhof sind dazu gedacht, dass man den Abfall in sie hineinwirft. Du verstehst?“
Klar, verstand er. „Ja, Herr Rektor Kolker“, grummelte er leise und bahnte sich mit hochrotem Kopf einen Weg durch die schaulustigen Schüler zurück zum Schulhof.
„Tja, das war ja wohl echt peinlich“, hörte er eine schnippische Stimme in seiner Nähe.
Benji blickte wütend zur Seite um Mister Oberschlau eine passende Antwort zu geben. Aber der hatte sich schnell in die Menge der Schüler gezwängt und warf ihm über die Schulter einen spöttischen Blick zu.
`Na warte´, dachte Benji, `dir werd ich es noch zeigen´, und stapfte wutentbrannt auf den Schulhof um, dem Wunsch von Herrn Rektor Kolker entsprechend, sein vor dem Abfalleimer liegendes Trinkpäckchen vorschriftsmäßig zu entsorgen.
„So ein Mist, der wird von seiner Mutter abgeholt!“ Enttäuscht darüber, dass er seine Rachepläne aufschieben musste riss sich Benji seine Baseball-Kappe vom Kopf und warf sie mit voller Wucht auf den Bürgersteig.
„Nun krieg dich mal wieder ein, den kriegen wir schon noch“, redete Tom ihm beruhigend zu. „wir wissen ja, wo er wohnt“. Er lächelte vielsagend, hob die Kappe vom Boden auf und drückte sie mit einem freundschaftlichen Klaps wieder in Benjis braunes, igelig gestyltes, Haar.
„Ja, du hast Recht!“ Augenblicklich verwandelte sich Benjis wütende Miene in ein Lächeln und seine graublauen Augen blitzten listig. „Hast du heute Nachmittag schon was vor?“
Tom verstand sofort. „Nein, hab ich nicht“, grinste er erwartungsvoll, „wenn du magst, kannst du zu mir zum Spielen kommen. Wir könnten dann auf der Straße Ball spielen.“
Benji grinste zurück. “Ja, genau! Und hätten so die ganze Straße im Blickfeld. Und wenn er das Haus verlässt könnten wir ihn verfolgen!”
„Und dann schnappen wir ihn uns!“
Begeistert von ihrer Idee, klatschten sie ihre rechten Handflächen ineinander und verabredeten sich für fünfzehn Uhr am Nachmittag. Dann trat jeder für sich seinen Weg nach Hause an.
Als Benji am Nachmittag in die Breslauer Straße einbog traute er seinen Augen nicht: Zwei Polizeiwagen und ein Rettungswagen standen vor dem Mietshaus mit den grünen Fensterrahmen. Auf der Straße standen überall Leute und tuschelten aufgeregt miteinander. Mitten drin entdeckte er Tom. Benji stieg vom Rad und schob es durch die Menschenmenge, bis er ihn erreicht hatte.„Hey Tom, was ist denn hier los?“, fragte er neugierig.
„Vor dem Haus wurde eine tote Frau gefunden“, flüsterte Tom aufgeregt. „Sie ist aus einem Fenster aus dem Mietshaus gefallen, aber ich hab noch nichts gehört darüber, ob sie unglücklich gestürzt oder, ob sie gesprungen ist, um sich umzubringen.”
„Ist ja irre, wie im Krimi!“, rief Benji aufgeregt, „vielleicht ist sie von jemandem aus dem Fenster gestoßen worden, dann wäre es ein echter Mordfall!“
„Daran hab ich noch gar nicht gedacht!“, rief Tom entsetzt und schüttelte sich beängstigt. „Komm, lass uns lieber zu uns nach Hause gehen.“
„Bist du verrückt? Das ist doch echt spannend hier. Ich gehe hier nicht weg, bevor ich weiß, was passiert ist.“ „Das ist doch Blödsinn, Benji! Die Polizei wird keinem hier erzählen, was sie herausgefunden hat.” Benji runzelte nachdenklich die Stirn. Dann erhellte sich urplötzlich sein sommersprossiges Gesicht. „Und wenn wir Mister Oberschlau fragen? Der wohnt doch in diesem Mietshaus und weiß bestimmt irgendwas darüber, was hier passiert ist!“ „Du willst dich doch wohl nicht mit deeem unterhalten!“, rief Tom ungläubig.„Warum nicht, wenn es der Sache dient? Außerdem hat der sowieso noch eine Rechnung bei mir offen, von heute Morgen. Da ist es ja wohl das Mindeste, wenn er dafür mit ein paar Infos rausrückt. Komm Tom, wir suchen ihn, und dann nehmen wir ihn mal ordentlich in die Mangel.“Sie spürten ihn neben dem Hauseingang auf. Er stand ganz alleine, abseits vom Geschehen, mit dem Rücken fest an ein Garagentor gedrückt. Sein Gesicht war so weiß wie Schnee, seine grünen Augen blickten seltsam leblos durch seine Brillengläser, wie erstarrt. ……….. ……….. ……….. ……….. ………..
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