Persönliches


Wintergeschichten and Persönliches01 Feb 2010 11:26 am

Der Trotzkopf

Es war an einem Sonntag im Winter. Ich war zwölf Jahre alt. Damals verfügte noch nicht jedes Haus in unserem Dorf über einen Telefonanschluss. Genau genommen gab es nur zwei Telefone im ganzen Dorf und eines davon hatten wir. Sehr zu meinem Leidwesen. Denn immer wieder musste ich zu irgendwelchen Leuten im Dorf laufen, um sie an unser Telefon zu holen, weil jemand für sie angerufen hatte und auf Antwort wartete. So war es auch an diesem bewussten Sonntag.

Ich sollte ins Haus nebenan gehen, um meinem Onkel Bescheid zu sagen, dass für ihn ein Anruf eingegangen war. Ich hatte aber keine Lust in die Kälte raus zu gehen, wollte lieber in meinem Zimmer bleiben und weiter Schallplatten hören und Poster aufhängen. Doch mein bockiges „Nein, ich geh nicht!“ - Gebrüll und auch die wütenden Trotztränen beeindruckten meine Eltern kein bisschen. Ich musste mich ins Unvermeidliche fügen.
Doch so leicht gab ich mich nicht geschlagen…
Um die an mir verübte Ungerechtigkeit zu demonstrieren - zog ich meine gelb-roten Hochplateau-Sommerschuhe an und weigerte mich, eine Winterjacke überzuziehen… Und wenn ich mich nun erkälten oder mit meinen Sommerschuhen auf dem Schnee ausrutschen würde, dann wären das meine Eltern schuld, weil die mich bei dem eisigen Wetter raus schickten. Jawohl… - Und schwupps, war ich raus aus dem Haus, ehe mich jemand zurückhalten konnte.
Die besorgten „Du wirst doch wohl so nicht raus gehen?“ – Rufe nahmen meine Ohren mit Genugtuung auf. Und das Gefühl des Triumphes wärmte mich auf meinem Weg, so dass ich die Winterjacke tatsächlich nicht vermisste. `Eine gelungene Darbietung, ein super Abgang, Wally, das war bühnenreif´, applaudierte es in mir. Ich war stolz auf mich. Tja .. und so kam es, wie es kommen musste…ich hatte es ja förmlich `herbeigerufen´…

Kaum auf der Straße angekommen, knickte ich im dicken Schnee weg und fiel hin. Blieb einen Moment liegen, überlegte, ob ich diese Situation für einen zusätzlichen `Dramenakt´ nutzen sollte, um so die Ungerechtigkeit meiner Eltern noch stärker hervorzuheben. Aber weil mir auf einmal kalt wurde, entschied ich mich dafür, lieber schnell aufzustehen und meinen Auftrag hinter mich zu bringen. Also stand ich auf.
Und fiel sofort wieder hin, auf meinen Allerwertesten. Aua!
Drei weitere Aufsteh-Versuche endeten ebenso mit dem Po im Schnee. Ich verfluchte mich insgeheim, dass ich so kindisch trotzig gewesen war, mit meinen Sommerschuhen in den Schnee hinaus zu gehen. Langsam wurde ich wütend. Weil ich mir so albern vorkam. Hoffentlich sah mir keiner zu. Voll peinlich, dass ich immer wieder in den Schnee fiel… Und seltsam, dass mein linker Fuß auf einmal mit den Zehen nach rechts zeigte…

Und dann ging alles sehr schnell. Ich erlebte es, als wäre es ein Traum, der im Zeitraffer ablief:
Die Nachbarin von gegenüber kam aus ihrem Haus gelaufen, rief irgendwas zu mir, lief dann zum Haus meines Onkels, der kam eilig angerannt, hievte mich auf seine kräftigen Arme, ächzte dabei schwer – was kein Wunder war, bei meinem Moppel-Gewicht – legte mich bei uns zu Hause in einem Sessel ab mit den Worten: „Ich glaub, die hat den Fuß kaputt“ und erledigte dann, wo er schon mal hier war, auch sein Telefongespräch.

Von dem was danach passierte, weiß ich nicht mehr viel. Nur noch, dass meine Mutter den Arzt im Krankenhaus zu belehren versuchte, dass mein Fuß ganz bestimmt nicht gebrochen, sondern wahrscheinlich nur stark verstaucht wäre, woraufhin der Arzt sich genötigt fühlte, seine Berufsehre vehement zu verteidigen und mehrfach, immer lauter werdend darauf beharrte, dass der Fuß ganz klar gebrochen wäre, sogar schwierig gebrochen, er müsse operiert werden.
Mir war, als würde ich einem erbitterten Hahnenkampf zusehen. Irgendwann war der Kampf ausgefochten. Der Arzt hatte gewonnen. Meine Mutter weinte. Ich weinte auch, obwohl ich nicht so recht wusste, warum. Das wurde mir erst klar, als ich auf dem OP Tisch lag und vor Angst zitterte, Angst vor der Operation, Angst vor wochenlangem Krankenhausaufenthalt, Angst, vielleicht an Weihnachten nicht zu Hause zu sein.

Nach drei Wochen Liegegips wurde mir vom Oberschenkel an bis zu den Zehen ein Gehgips angepasst. Damit durfte ich endlich wieder nach Hause, kurz vor Weihnachten.

Im Januar hieß es in der Zeitung, es wäre der „Winter der gefallenen Mädchen“, denn ungewöhnlich viele Frauen und Mädchen hätten in diesem Winter Bein- Fuß oder Armbrüche erlitten.

… So wurde ich zu einem `gefallenen Mädchen´… und nicht nur auf meinen gebrochenen Fuß bezogen. Denn durch dieses Erlebnis war auch die Trotzmauer in mir gefallen, der kindische Trotz endgültig gebrochen. Zum Glück. Denn dadurch wurde ich vermutlich vor weiteren unsinnigen Handlungen bewahrt. Wer weiß, was mir sonst noch so alles passiert wäre…

*******
Niemals geht man so ganz, heißt es. Stimmt. Denn der Trotzkopf in mir hatte sich nicht einfach in Luft aufgelöst, wie ich mittlerweile weiß. Er hat nur geschlafen und sich später eine neue Bleibe gesucht. Treibt jetzt im Kopf meiner Tochter ihr Unwesen. Manchmal. … Besser, ich entferne ihre Sommerschuhe aus dem Schuhschrank und verstecke sie im Keller, bis der Winter rum ist. Man weiß ja nie…

(ursprünglich geschrieben für “Dodos-Geschichten-Domino” http://www.blauer-buchblog.de/ )

Persönliches18 Mai 2009 10:35 am

Als Matthias Krempchen und seine Anna, geborene Götten, am 8. Mai 1922 den Bund der Ehe eingingen ahnten sie noch nicht, wie groß ihre Familie einmal werden und wie weit sie sich verzweigen würde.
Auch wenn Matthias und seine Anna und die meisten ihrer elf Kinder heute nicht mehr leben, so bleiben sie dennoch unvergessen. Sie sind die Wurzeln, aus denen wir, unter vielen anderen auch ich, geboren wurden. Ohne sie, hätte keiner von uns `Krempchens´ jemals das Licht der Welt erblickt.
Ohne sie, wäre es niemals zu diesem besonderen Treffen gekommen …

Aus den unterschiedlichsten Winkeln Deutschlands waren sie angereist. Nicht alle waren gekommen, aber viele hatten es sich nehmen lassen dabeizusein - beim 1. Sippentreffen `derer von Krempchen´. Mitten im Wald, beginnend zur Mittagsstunde, in der `Jungenwaldhütte´ in Thomm.

sippentreffen.JPG

Ganz langsam trudelten im Laufe der ersten Stunden immer mehr Verwandte ein. Mit wie vielen wir uns letztendlich dort zusammengefunden hatten kann ich nicht genau sagen, aber es waren, denke ich, mehr als fünfzig Menschen.
Und die meisten von uns hatten sich schon längere Zeit nicht mehr, oder sogar noch niemals, gesehen.
Es wurde sich gedrückt, geherzt, geküsst. Tränen der Freude flossen, über das Wiedersehen nach langer Zeit, ebenso auch Tränen der Erinnerung an all diejenigen, die diesen Tag der Zusammenkunft nicht mehr miterleben konnten.
Mein Erstaunen war groß, dass aus aus all den `Kleinen´, mittlerweile Erwachsene geworden waren, zum Teil schon verheiratet, mit eigenen Kindern. Eine Freude auch, all diejenigen kennenzulernen, die durch Heirat oder Partnerschaft nun auch zum `Krempchen-Clan´gehören.

Auf der Holztür, die aus der Hütte hinaus zur Grillstelle führt war der Stammbaum der Familie angebracht, nebst Schreibstift, als Einladung zum Nachtragen von noch fehlenden Daten, die die Erschaffer des Stammbaums bis dahin noch nicht in Erfahrung hatten bringen können.
Ein mayestätischer Anblick, unser Stammbaum, so breit verzweigt, immer wieder kam es vor ihm zu kleinen Versammlungen. Er wurde interessiert studiert - natürlich suchte jeder als erstes seinen eigenen Namen in all den Zweigen *grins* - es wurden Namen nachgetragen, verbessert, sich an die Gesichter derer erinnert, die nicht zum Treffen gekommen waren oder es nicht mehr konnten. Es wurde sich auch an lange zurückliegende Festlichkeiten erinnert. Und gestaunt, wie viele verschiedene Zweige entstanden waren im Laufe der letzten mehr als achtzig Jahre … und alleine der Gedanke daran, dass dies noch nicht das Ende war, der Stammbaum weiter wachsen, noch viele Namen hinzukommen würden … flößte mir Ehrfurcht ein - und auch Stolz, dazuzugehören.

Es wurde viel gelacht, gegessen, getrunken, Telefonnummern ausgetauscht, unausschöpflich geplaudert … kaum zu glauben, dass die meisten von uns sich sehr lange nicht mehr oder sogar noch nie gesehen hatten. Anfängliche Verzagtheit verflog so schnell, wie der Wind, der durch die umstehenden Bäume rauschte …eine Verbundenheit, Vertrautheit wuchs, wie sie wohl nur aus einer Familie heraus entstehen kann. … Matthias und Anna wäre es eine helle Freude gewesen, ihre Nachkommenschaft so vertraut zusammensitzen zu sehen…
Die einen verabschiedeten sich am frühen Abend, andere in den darauf folgenden Stunden, so manche saßen sogar noch am Lagerfeuer zusammen bis tief in die Nacht hinein.

Ganz herzlichen Dank an diejenigen, die dieses 1. Sippentreffen aus der Taufe gehoben, bis ins Kleinste organisiert und vorbereitet hatten, sich unermüdlich um unser leibliches Wohl kümmerten.
Es war ein rundum gelungenes Fest, das die Herzen voll machte, und die `derer von Krempchen´ wieder näher zusammenrücken ließ. Ein herzliches Beisammensein, dem hoffentlich noch viele folgen werden.

Persönliches and Allgemein25 Feb 2009 11:36 am

Die Hausarbeit ist für heute erledigt. Der Nachmittag eilt mit großen Schritten voran. Hab nur noch eine Stunde Zeit, bis ích mich auf den Weg zu meinem Termin machen muss.
Ich höre verhaltenes Gekicher und Geplauder. Wahrscheinlich würde ich es gar nicht wahrnehmen … wenn ich meine Ohren nicht wie eine empfangsbereit aufgerichtete Antenne in Richtung hinterer Wohnungstrakt gestellt hätte. Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich mich so albern verhalte.
Wie um mir selbst einen Riegel vorzuschieben schließe ich die Wohnzimmertür, setze mich an den PC. - Meine Tochter hat einen Jungen zu Besuch, na und? Sie wollen einen Film ansehen. Also, alles ganz easy … bleib locker Mutter, sie ist doch erst vierzehn Jahre alt, … schon … vierzehn …

Zu dumm, dass ich ausgerechnet heute einen Nachmittags-Termin habe, und anschließend unbedingt noch einkaufen muss… Vielleicht könnte ich das Einkaufen auch auf Morgen verschieben? Ich überlege fieberhaft, hin und her. Komme immer wieder zum selben Ergebnis: Aufschieben ist nicht. Ich muss zumindest Brot und Wurst einkaufen, und Getränke. Insgesamt werde ich ungefähr zwei Stunden weg sein. Seufz.

Mahjong oder Solitaire? Oder lieber in Bejuweled auf Farbgruppen zielen? Ach, ist doch egal. Irgendwas. Zum Entspannen. Ich nippe an meinem Capppucino. Entscheide mich für Mahjong. Vertiefe mich ins Spiel. Höre nur das Surren des Computers. Sonst von nirgendwoher ein Laut. Hmmh …
… Ich muss in der Küche noch unbedingt die Glühbirne wechseln! Fällt mir siedend heiß ein. Sonst stehe ich heute abend im Dunkeln da… Und bevor ich es vergesse, erledige ich es am besten sofort.
Gedacht, getan.
Lautstark öffne ich die Wohnzimmertür, trete in den Wohnflur … nur der Fernseher ist von hinten zu hören, sonst alles still … ich schnappe mir die Leiter aus dem Abstellraum, stelle sie in der Küche auf, steige hoch, wechsle die Glühbirne, steige wieder herunter, bringe die Leiter zurück … noch immer alles ruhig, bis auf die Stimmen aus dem Fernseher … gehe wieder ins Wohnzimmer, schließe die Tür, setze mich wieder vor den PC … mahjonge noch ne Runde, unkonzentriert. Trinke meinen Cappucino aus… Bin mir bewusst, dass die Uhr erbarmungslos tickt und ich gleich weg muss. … Na und? Wo liegt das Problem? Bin eben gleich mal für zwei Stunden weg … seufz.

Als ich die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fallen lasse und die Treppe hinunter steige, fühle ich mich irgendwie `neu`. Ein bißchen fremd. Innerliche Unruhe wechselt sich ab mit ruhiger Akzeptanz. Ein seltsames Gefühl. … Das Leben ist wie ein großes Haus, mit vielen Zimmern, vielen Türen. Hinter jeder Tür findet Leben statt. Türen öffnen sich, Türen schließen sich. Lange Zeit war ich der `Regisseur´, der die Klinken betätigte. Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, die Regie abzugeben… weiterzugeben… Zeit, `neue Zimmer´ zu erforschen, neue Türen zu öffnen, eigene, nur für mich bestimmte…?
Ich ziehe die Haustür hinter mir zu. Trete auf die Straße. Genieße die kühle Luft in meinem Gesicht. Atme tief durch. Begegne meiner Umwelt mit neu geklärtem Blick.

Persönliches26 Sep 2008 05:39 pm

Ich wünsche euch ein schönes sonniges Herbstwochenende.
Bin ein paar Tage weg.

Bis bald.

Liebe Grüße an alle
von Wally

Persönliches02 Sep 2008 10:23 am

Monate lang hatte ich darüber nachgedacht. Soll ich es wagen, oder besser nicht? Die Entscheidung immer wieder beiseite geschoben. Den Gedanken wieder aufgenommen. Rumgegrübelt. Kam jedes mal zu dem Entschluss, es wäre nicht der richtige Zeitpunkt. Doch vor ein paar Tagen fragte ich mich: Wenn nicht jetzt, wann dann? …
Und nun habe ich den Schritt gewagt.

Gemütlich schlendere ich durch die Gänge, alleine, keiner hier, außer mir. Ich erfreue mich an den strahlend hellen Regalen, den schön platzierten Waren, den niedlichen Einkaufskörben. Fühle ein bißchen Stolz in mir, dass ich den Mut aufbrachte, diesen Schritt zu wagen. Fühle Vorfreude auf das Neue…
Doch ein wenig mulmig ist mir auch zumute. Es ist so, als ob ich liebevoll eine Kaffeetafel gedeckt hätte, obwohl sich kein Besuch angemeldet hat, doch für den Fall, dass Gäste bei mir vorbeischauen würden, ist alles bereit, ist `der Tisch gedeckt´.

Klopfenden Herzens öffne ich die Tür…

… Und was, wenn keiner kommt? - Ach was, so negative Gedanken passen nicht in den heutigen Tag. Gut Ding braucht Weile. * zuversichtlich guck* . Bestimmt wird ab und zu mal jemand vorbeischauen, ein bißchen durch die Gänge streifen, sich umschauen. Bei mir…
in meinen neueröffneten, eigenen Laden. …

Ich freue mich schon sehr, auf meine ersten Besucher. :-);-)

Persönliches15 Jul 2008 07:17 pm

Als er geboren wurde, sagte meine Mutter zu mir: “Tja, nun ist er da, nun muss er nur noch groß werden!”
- Tja, und nun ist er `groß´. Mein Sohn. Heute ist er 18 Jahre alt geworden.

Heute morgen haben wir seinen Führerschein beim Straßenverkehrsamt abgeholt. Ab heute darf er selbst ein Auto fahren, auch ohne, dass Mama oder Papa als Aufsicht daneben sitzen. Ab heute ist er volljährig … aus einem kleinen Baby, dass mich Tag und Nacht auf Trab hielt und nie schlafen wollte - ist innerhalb von 18 Jahren ein junger, erwachsener Mann geworden, der tagtäglich zur Arbeit fährt, demnächst mit seinem eigenen Auto…
Kaum zu fassen.
18 Jahre - wo sind sie hin? Sie sind so schnell vergangen. Und dennoch, scheint mir - als wären sie ein unendlich langer Zeitraum, in dem ich mehrere Leben gelebt hätte…

Ein denkwürdiger Tag…

"Blogger-Stoeckchen" und Awards and Persönliches29 Mai 2008 11:38 am

Martina hat mir ein Bloggerstöckchen zugeworfen. Selbstverständlich hab ich es gerne angenommen. Nicht ahnend, dass ich zur Beantwortung einiger dieser Fragen weit in die Vergangenheit würde abtauchen müssen. Was mir, zugegeben, ein wenig schwer fiel, weil Vergangenes nun mal nicht immer angenehme Erinnerungen mit sich bringt. Das hat ein wenig Zeit gebraucht.
Doch nun ist es vollbracht. Denn mal los:

4 Jobs I´ve done

Hier hatte ich schon das erste, dicke, Problem. Denn ich hab in meinem bisherigen Leben schon in so vielen Jobs und “Jobs” gearbeitet - überwiegend unbezahlten ;-) - dass es zur Qual wurde, vier davon auszuwählen. Hab das Problem dann kurzerhand `strukturell´gelöst:

1) Soziales: Meine soziale Ader entdeckte ich schon in meiner Kindheit. Als Harmonie süchtiger Mensch war es mir schon in jungen Jahren ein stetes Bedürfnis, mich in Streitereien von anderen - auch Fremden - einzumischen, mit dem Ziel die Streithähne wieder zu versöhnen, um ein “nun ist alles wieder gut” herbeizuführen. Meist war meine Einmischung absolut nicht erwünscht, was mich aber nie davon abhielt, mich wie eine Mauer dazwischen zu stellen, bis sich die Gemüter wieder beruhigt hatten. Zudem hatte ich ein starkes Faible für Kinder, die `außen vor´ standen, von anderen ausgeklammert wurden, “nicht mitspielen” durften. Mehr als einmal entfernte ich mich von meinen Freunden, gesellte mich zu einem “Underdog”, damit er nicht so alleine rumstehen musste.
… Von daher kein Wunder, dass ich mich später, als Jugendliche, im örtlichen Jugendring engagierte, dort Veranstaltungen mitplante, mich an der Durchführung beteiligte, selbst Gesprächsrunden/ Gruppenstunden für Jugendliche verschiedenen Alters abhielt - sprich: so was wie “ehrenamtliche Sozialarbeit” leistete. ;-)

2) “Künstlerisch”: Meine künstlerische Karriere ;-) begann in der Grundschule als “Sängerin” im Kinderchor. Nur wenige Jahre später entdeckte ich, dass es Spaß macht, ein Instrument zu spielen. Ich lernte Mandoline spielen, wurde somit zum “Musiker” , spielte viele Jahre lang aktiv in unserem örtlichen Mandolinen- und Gitarrenorchester mit - und entdeckte so meine Freude daran, auf der Bühne zu stehen. Die Folge davon war, dass ich mich als Erwachsene hin und wieder auch gerne “schauspielerisch” betätigte und Jahre lang zur Karnevalszeit mit anderen entweder singend oder in komödiantischen Szenen auf der Bühne stand. Aus privaten Gründen musste ich irgendwann der realen Bühne adieu sagen, betrat später dann die “virtuelle Bühne”…grins… als ich PC und Tastatur für mich entdeckte. Und bin seitdem “schriftstellerisch tätig” . ;-)

3) Beruflich: Mein erlernter Beruf ist Einzelhandelskauffrau. Nein, ich hab das nicht gewollt. Nie. Wollte ursprünglich in einem Büro arbeiten. Und war so jung und naiv zu glauben, dass die Büro-Welt nur auf mich gewartet hätte und mich freudig begrüßen würde, und mein schlechter Handelsschul-Abschluss in der Berufwelt keine Rolle spielen würde. Weit gefehlt. So kam es, dass ich in die Fußstapfen meiner Eltern trat und Kaufmann wurde. Seltsam ist, dass dieser einst ungeliebte Beruf mich nie mehr ganz losgelassen hat:
Einige Jahre arbeitete ich im erlernten Beruf, später als Kassiererin in einem Supermarkt. Nach der Geburt meiner Kinder ging ich irgendwann tatsächlich wieder in die kaufmännischen Gefilde zurück, arbeitete einige Zeit als Aushilfskraft in einem Lebenmittel-Discounter, später für kurze Zeit als kaufmännische Aushilfe in einer Bäckerei (war aber nicht mein Ding).
Nach meiner Scheidung war ich einige Monate als Regalservice für verschiedene Auftraggeber tätig: für eine bekannte “Gummibärchen-herstell-Firma” … ein bekanntes “dicke-Mohrenköpfe-herstell-Unternehmen” und einen weltweit bekannten “in verschiedenen Geschmacksrichtungen-gummiartig auf den Zähnen rumkau - Herstellungs-Konzern” ….grins….
Durch allgemeine Absenkung der Arbeitsstundenzahl (man könnte es auch Personal-Aufwandskosten-Reduzierung nennen) lohnte sich die Arbeit bald finanziell nicht mehr.
So kam ich zur hiesigen Jobcom, die mir einen, ungewollten, Computerkurs aufs Auge drückte. Was ich damals als Schikaniererei ansah, mir aber später lieb und teuer war (sonst würde ich heute nicht hier sitzen und tippen). Anschließend wollte mir die Jobcom auch noch einen Schwesternhelferin-Kurs aufzwängen, doch da machte ich nicht mehr mit. Nahm Hände ringend das erst beste Arbeitsangebot, dass mir in der Zeitung auffiel… Wen wunderts, dass es wieder was Kaufmännisches war…. Mich nicht. Scheinbar ist mir der Kaufmann doch irgendwie in die Wiege gelegt. Nun bin ich schon seit vielen Jahren vertrieblich tätig, nur ein Kleingewerbe-Job, eher Taschengeld als Einkommen, aber besser als nichts.

4) organisatorisch ;-) : Mein vierter Job-Punkt ist gleichzeitig der einzige Job, den ich seit fast zwanzig Jahren durchgehend ausführe. Als Mutter und Hausfrau manage ich den Haushalt, organisiere Termine, achte auf regelmäßige “Familien-Meetings”, erledige den Wareneinkauf, überwache die Haushaltskosten, ziehe Bilanz…betätige mich als Krankenschwester, Seelenstreichler, Taxifahrer, Handwerker, Putzfrau… ;-) - ein All-round-Job, der oft stressig ist, den ich aber auch nicht missen möchte.

4 movies I´ve seen

1) Bei meinem ersten Kinobesuch war ich ungefähr 16 Jahre alt. Der Film hieß “Ansichten eines Clowns” - und ich gebe ehrlich zu: ich konnte die Handlung kein bißchen nachvollziehen, fand den Film trotzdem super, weil meine Freundinnen ihn auch super fanden und war nur mit ins Kino gegangen, weil ich “dabei sein wollte”. (…ich war jung und brauchte Gesellschaft…grins)

2.) Gut erinnern kann ich mich noch an den Disney-Film “König der Löwen“. Allerdings nicht an die Handlung. Doch ich erinnere mich noch bestens daran, wie ich meinem Sohn ständig hinterhergekrabbelt bin, weil er er zu zappelig war, um sitzen zu bleiben und immer wieder auf den Sitzen rumkletterte und im Saal rumlief. Es war der schweißtreibendste Kinobesuch meines Lebens und auch der einzige Kinofilm, den ich nicht zu Ende geguckt habe. Um nicht zum öffentlichen Ärgernis zu werden, verließen wir das Kino weit vor Ende des Films.

3.) “Convoy” , mit Kris Kristoffersen - ist mein persönlicher Kultfilm. :-) Unzählige Male habe ich ihn schon gesehen und jedes Mal hat er mich wieder aufs Neue begeistert. Schade, dass er schon so lange nicht mehr im Fernsehen gezeigt wurde. Ich würde ihn auch zum xxxxx ten male wieder mit Begeisterung ansehen. :-)

4.) Das Musical “Hair” war für mich in meiner frühen Jugend der Film aller Filme. Er verkörpert auch heute noch für mich das “70er Jahre-Feeling”, Gedanken und Träume aus Jugendzeiten. Und die Langspiel-Platte zum Film finde ich noch heute sehr hörenswert. Sie gehört zu den Urgesteinen meiner Plattensammlung.

4 places I´ve been
Da gibts von mir nicht viel zu berichten.
1) ehem. Jugoslawien (Istrien), da war ich zwei mal, einmal in Vrsar, einmal in Porec;
2) Südtirol (Lana, Bozen etc.)
3) Süddeutschland: Schwarzwald und Bayern
4) Norddeutschland: Norderney, Ostfriesland (Butjadingen)

4 TV programms I watch

1) Für eine gute “Tatort”-Folge lasse ich, fast, alles stehen ;-)
2) DSDS (Pflichtprogramm, wenns läuft …grins)
3) “Cold case - kein Opfer ist je vergessen”
4) “Medium- nichts bleibt verborgen”
( zudem sehe ich noch gerne “Monk” ; “Navy CIS” und Musikevents )

4 favourite foods

1) “Soßenfleisch” in sämtlichen Varationen (als Gulasch oder Geschnetzeltes, mit Rahm-, Paprika-Sahne- , Pfeffer- oder auch nur in einfacher Bratensoße)
2) Nudel-Schinken-Auflauf
3) Pizza mit Salami und Ananas
4) Salat, Salat, Salat….. und gerne auch Kartoffeln

4 places I´d rather be
Traumurlaubsziele sind für mich schon seit langem:

1) Irland
2) Algarve
3) Moskau
4) Texas

4 next vicims
Ich mache es mir dieses mal einfach und werfe das Bloggerstöckchen hiermit ALLEN zu, die es gerne aufheben möchten und wünsche schon mal vorab: viel Spaß beim Schreiben!

"Blogger-Stoeckchen" und Awards and Persönliches14 Apr 2008 11:34 am

Uta hat mir ein Blogger-Stöckchen zugeworfen. Vielen Dank dafür! Ich habe es aufgehoben und versuche nun die gestellten Aufgaben zu erfüllen:

1. Setze einen Link zu der Person, die dir das Stöckchen zugeworfen hat.

- Hab ich im ersten Satz bereits erledigt;

2. Erwähne die dazugehörigen Regeln in deinem Blog:

- Wer das Stöckchen aufnimmt, braucht nur die Anweisungen 1-4 zu erfüllen; ;-)

3. Erzähle von dir sechs unwichtige Dinge / Gewohnheiten / Macken :

- Das ist schwierig, denn seiner eigenen Macken ist man sich meist nicht bewusst. Mal sehen, was mir da so einfällt…

(1) Wenn ich unsere Wohnung verlasse, balle ich mehrmals hintereinander die Hand zur Faust, in der ich den (das?) Schlüsselbund halte. Erst wenn mir mein Hirn eindeutig meldet: “Ja, du hast die Schlüssel in der Hand!” - erst dann schließe ich die Wohnungstür. Kaum auf der Treppe, stoppe ich dann kurz im Schritt, um noch mal nachzusehen, ob die Schlüssel auch wirklich in meiner Hand sind…*Kopf schüttel* (Wahrscheinlich hab ich eine Schlüssel-Phobie, weil ich mich schon zweimal ausgesperrt habe )

(2) Jeden Abend bin ich spätestens um 23 Uhr zum Umfallen müde. Anstatt ins Bett zu gehen, sitze ich aber am PC, kämpfe mit zufallenden Augenlidern, spiele irgendwelche PC-Spielchen und halte mich eisern bis 24 Uhr wach - als hätte es mir jemand “verboten” schon vor Mitternacht schlafen zu gehen;

(3) Jedes Jahr bekomme ich im März vom Finanzamt die Formulare für meine Steuererklärung zugeschickt. Jedes Mal nehme ich mir dann vor, das möglichst schnell zu erledigen und nicht wieder bis Ende Mai, bis kurz vor, oder nach der Abgabefrist aufzuschieben. Jedes Jahr - hab ich ein dickes Problem mich dazu aufzuraffen. Dabei hab ich dem Finanzamt nicht viel an “Steuern zu erklären”, das Ding wäre an einem Vormittag erledigt, zeitmäßig gesehen. Aber mein Kopf erfindet immer wieder Ausreden, um dieses lästige Übel aufzuschieben;

(4) Immer wenn wir in Urlaub fahren, dann beginne ich erst am Tag vorher damit, die Kleidung zu bügeln, die wir mitnehmen möchten. Ich könnte das schon Tage vorher überwiegend erledigt haben, aber nein, ich hetze mich dann lieber einen Tag vor der Abreise damit ab und schimpfe rum, weil mir die Zeit davon läuft;

(5) Anstatt erst mal nur zuzuhören quatsche ist immer wieder dazwischen, einerlei ob im Gespräch zu zweit oder in der Runde. Das ärgert mich maßlos, dass ich das nicht in den Griff kriege. Aber, ich kann doch auch nix dafür, wenn es mich immer wieder so “überfällt”!…*seufz*

(6) Nach dem Mittagessen räume ich schnellstens den Esstisch ab, räume vielleicht die Spülmaschine noch ein, vielleicht auch nicht, bereite mir schnellstens einen Cappucino zu und dann ab - aufs Sofa. Denn die kleine Weisheit: “Nach dem Essen sollst du ruh´n …” - nehme ich sehr ernst und überhöre eisern die “…zu Hilfe, wie siehts denn hier aus!” - Rufe meiner Küche. (Den zweiten Teil dieses Satzes: “….oder tausend Schritte tun” - der entspricht nicht meinem Naturell, darum hab ich ihn kurzerhand aus meinem Vokabular gestrichen);

4. Reiche das Stöckchen an sechs andere Blogger weiter.

- Oh je, das ist ein Problem, denn einige der Blogger, die ich regelmäßig besuche, haben dieses Stöckchen schon.
Ich werfe dieses Stöckchen nun weiter an:

Susanne
Mina Losa
Yvonne
Sarah
Dodo
… ( und wer sonst noch mag)

Natürlich ist keiner gezwungen, es aufzuheben, nur wer Spaß dran und Zeit hat.

"Blogger-Stoeckchen" und Awards and Persönliches05 Aug 2007 02:45 pm

Uta hat mir ein “Stöckchen” zugeworfen. Ich habe es bereitwillig und gerne aufgefangen und damit die Aufgabe angenommen, ein bißchen was von mir zu erzählen. Und hier sind sie nun, die geforderten…

acht Punkte, die man über mich wissen sollte:

1. Man nennt mich Wally, weil ich diese Kurzform meines Namens seit meiner Kindheit trage. Spricht mich jemand mit meinem vollen, urkundlich eingetragenen, Taufnamen an, dann könnte es passieren dass ich ihn verwirrt anschaue, weil mir nicht sofort klar ist, dass er MICH angesprochen hat… Darum lege ich eingehende Rechnungen, die meinen ´richtigen´Vornamen tragen, erst einmal einige Zeit zur Seite, weil ich mich von ihnen nicht sofort persönlich angesprochen fühle…

2. Wir wohnen in einer kleinen Mietwohnung in der 1. Etage mit `Frischluft-Balkon´, mit lieben, netten Nachbarn und angenehm kurzen Wegen zum Einkaufen. Unsere kleine Familie besteht aus meiner pubertierenden Tochter, meinerm mittlerweile halb-erwachsenen Sohn und mir, der schreibenden Mutter, die seit geraumer Zeit die Hausfrau in ihr von Platz 2 auf Platz 4 ihrer Prioritätenliste verbannt hat. Im Gegensatz zu früher ist es mir heute wichtiger `mich zu leben´, als tagtäglich einen tipp-topp-sauber geführten Haushalt vorweisen zu können.

3. Meine größte Schwäche ist die Tatsache, dass ich im Gespräch mit anderen ständig dazwischenquatsche. Es frustriert mich immer sehr, wenn mir bewusst wird, dass ich schon wieder jemanden beim Reden unterbrochen habe, weil ich meine eigenen Gedanken nicht länger an mir halten konnte…seufzz… Dabei bin ich früher immer eine gute Zuhörerin gewesen…. Vielleicht hatte ich früher nicht so viel zu erzählen, wie heute? Ja, womöglich ist das des Rätsels Lösung. Denn seit ich schreibe habe ich auf einmal eine Menge zu erzählen. Und so wie ich schreibe, so rede ich auch: drauflos…

4. Wo es Schwächen gibt, da gibt es auch Stärken. Und meine größte Stärke ist, meiner Meinung nach, meine Zähigkeit. Das hat nichts mit Geduld zu tun! Nein, ganz und gar nicht, denn ich bin ein eher ungeduldiger Mensch. Mit Zähigkeit meine ich die Ausdauer an einer Sache dranbleiben zu können, solange sie es mir wert ist, durchgezogen zu werden.

5. Und dann gibt es noch den einen Punkt, der Stärke und Schwäche zugleich ist: meine Spontanität. Je nach Situation kann es passieren, dass ich entweder durch sie von einem Fettnäpfchen ins nächste tappe, mich furchtbar unbeliebt mache, oder - durch einen spontanen Entschluß mein Leben entscheidend und positiv verändere. So kam ich auch zum Schreiben. Durch den von-jetzt-auf-gleich-ohne-darüber-nachzudenken-Entschluß mich bei der SDS zu einem Schreib-Fernstudium anzumelden, nahm mein Leben eine von mir völlig unerwartete, positive Wende: Ich entdeckte die Lust am Schreiben… Mittlerweile ist aus der Lust eine Sucht geworden. Ich kann mir mein Leben ohne Schreiben nicht mehr vorstellen.

6. Mein Sternzeichen ist der Stier. Und genau so bin ich auch: mal gemütlich dahintrottend, mal von jetzt auf gleich fest entschlossen nach vorne preschend. Und wenn man mich zu sehr reizt, dann sehe ich ROT, brülle los und erschrecke mich selbst darüber, wie laut und keifend meine Stimme sein kann. Doch so schnell wie so ein `Anfall´ kommt, ist er auch wieder verschwunden, so als hätte er nicht stattgefunden. Typisch Stier, eben.

7. Ich mag Menschen nicht, deren Lieblingsbeschäftigung darin besteht über andere Menschen zu spotten, zu stänkern, zu hetzen und alles was diese tun schlecht zu reden. Mit solchen Menschen unterhalte ich mich nicht gerne und wende mich meist schnell von ihnen ab.

8. Die größte Liebe meines Lebens ist…die Musik. Sie gibt mir neue Energie, wenn ich mal down bin oder umstreichelt zärtlich meine Seele, wenn ich romantisch-melancholisch drauf bin. Sie ist immer für mich da, wenn ich sie brauche, in guten, wie in schlechten Tagen. Und ohne meine Liebe zur Musik wäre ich nicht der Mensch geworden, der ich heute bin. Und anders möchte ich nicht sein.

Und nun, am Ende meines `Outings´angekommen, reiche ich, hoffenden Herzens, dass sie es ergreifen, das “Stöckchen” weiter an:

“Mamü” - von der ich denke, dass sie auch Spaß an diesem Spiel hätte…

an

Sarah - von der ich nicht weiß, ob sie dies hier liest und ob sie, falls sie es liest, Zeit für das Spiel hat, weil ihre erste Lesung bevorsteht…

und ganz zaghaft lächelnd an

Yvonne - bei der ich nicht weiß, ob dieses Spiel “ihr Ding” ist…

an

Ika - falls sie vor dem großen Start ins NANOWRIMO 2007 noch die Zeit dafür aufbringen kann…

und in die Schweiz hinüber zu

Dodo - für den Fall, dass sie trotz der spannenden ´Verfolgung´ ihres “verlegten” Buches Zeit und Lust hat, sich an diesem Spiel zu beteiligen…

Ich bin natürlich keinem böse, der das Stöckchen nicht ergreifen möchte, hoffe aber auf ein bißchen Resonanz, damit das Spiel weiter laufen kann.

Noch ein kleiner Nachtrag: Habe eben bemerkt, dass das mit dem Verlinken nicht funktioniert hat. Hatte ich in meinem Text völlig vergessen zu erwähnen: Ich bin technisch völlig unbegabt…*augen roll*. Ich hoffe, ihr findet dennoch zu den Seiten. Die Adressen werden beim Berühren der Namen ja kurz eingeblendet.

Liebe Grüße
von Wally

P.S.
19.03 Uhr :
Erneuter Nachtrag: Habe dank Uta herausgefunden, wie man manierlich verlinkt. Die Links funktionieren jetzt richtig. Alles in Butter…*lächel*

Persönliches09 Sep 2006 12:59 pm

Auf der Bühne
 

Der neue Tag war gerade erst angebrochen, als ich am 14. Mai 1961 das Licht der Welt erblickte. Meine Mutter behauptet standhaft, sie hätte mich erst dann herausgepresst, als sie sich sicher sein konnte, dass schon Sonntag war. Denn dies war ein besonderer Tag: Sie schenkte mir das Leben und ich – schenkte ihr mich, zum Muttertag.

Dennoch bin ich mir heute sicher, dass ich alleine es war, die meine Geburt auslöste: Neugierig geworden auf diesen wunderbaren Glockenklang, der um Mitternacht ertönte, den dreizehnten Mai verabschiedete und den vierzehnten willkommen hieß…

Wir sind eine musikalische Familie, aus der viele aktive Musiker hervorgegangen sind. Chorsänger ebenso wie Trompeter, Hornbläser, Flötisten, Schlagzeuger, einer meiner Onkel spielte Akkordeon und mein Opa, väterlicherseits, war jahrzehntelang begeistert als Dirigent eines Trommel- und Blasorchesters tätig. Die Liebe zur Musik wurde mir in die Wiege gelegt, da bin ich mir ganz sicher.

Schon in meiner Kindheit übten musikalische Klänge eine starke Faszination auf mich aus. Ungeduldig erwartete ich auf jeder Familienfeier den Moment, wenn das gemeinschaftliche Singen begann. Denn auf jedem Familienfest wurde zu fortgeschrittener Stunde gesungen: im einstimmigen Chor, mehrstimmig oder im Kanon. Eifrig summte ich dann immer die Melodien mit und versuchte, mir die Texte zu merken.

Mein erster „Gesangsauftritt“ fand in meiner Grundschulzeit statt, in einer Musikstunde im dritten Schuljahr.

Wir Schüler hatten als Hausaufgabe ein Lied einüben müssen und sollten es nun gemeinsam vortragen. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich bewusst sehr leise sang, denn damals war ich noch sehr schüchtern. Urplötzlich brach die Lehrerin mitten im Lied das Singen ab: „So geht das nicht“, meinte sie und schüttelte genervt den Kopf. Und pickte dann einen Schüler heraus, das Lied alleine vorzutragen. Mich! Den Tränen nahe senkte ich den Kopf, starrte verlegen auf meine bunt gemusterte Schulschürze und begann zu singen: „Still, still, still, weil´s Kindlein schlafen will…“. Nachdem der letzte meiner zaghaften Töne verklungen war, umgab mich eine erdrückende Stille. Ich wagte nicht, den Kopf zu heben. Dann begannen alle zu klatschen. Ich bedankte mich artig. Und kam so, zu meiner ersten „Bühnenerfahrung“.

Mutig geworden durch meinen kleinen Auftritt, meldete ich mich kurze Zeit später in unserem  Kinderchor an. Und war furchtbar enttäuscht, als ich nicht zu den Sopranistinnen, sondern zu den Alt-Stimmen eingeteilt wurde. Im Nachhinein gesehen, bin ich heute dankbar für diese Ungnade, denn so wurde meine Vorliebe für warme, Moll tönende Klänge geweckt.

Dann kam das Jahr 1972. Es sollte zu einem Wegweiser in meinem Leben werden:

Das örtliche Mandolinen- und Gitarrenorchester suchte Nachwuchs für ihren Verein. Einige meiner Freundinnen waren völlig aus dem Häuschen: „Ich meld´ mich an“, riefen sie euphorisch. Ich konnte diese Begeisterung erst nicht teilen, denn mir lag mehr am Singen, als daran, ein Instrument zu erlernen. Bis mir der Gedanke kam, dass man ja zum Gitarrenspiel auch singen kann! Nun war ich auch euphorisch, so euphorisch, dass ich mit den Anderen am Anmeldetag zum Informationsgespräch ging, obwohl ich meine Eltern noch nicht gefragt hatte, ob ich mir eine Gitarre bestellen und dem Orchester beitreten durfte.

Die Versammlung war ernüchternd. Meine Finger wären noch zu kurz, um Gitarrengriffe ausführen zu können, sagte man mir. Ich war enttäuscht, hatte sofort Tränen in den Augen stehen. Aber  Mandoline spielen, meinte man tröstend zu mir, das wäre möglich. Ob ich denn mal schnell nach Hause laufen wolle, um meine Eltern zu fragen, ob ich anstatt einer Gitarre eine Mandoline bestellen dürfe? „Mach ich“, nickte ich brav. Denn ich musste ja eh erst mal fragen, ob ich überhaupt ein Instrument haben durfte. Bevor ich mich auf den Weg machte, streifte ich dieses zierliche, gewölbte Etwas mit einem misstrauischen Blick: Die Mandoline gefiel mir nicht. Und ich gebe ehrlich zu, dass ich meine Eltern nur um dieses Instrument angefleht hatte, weil ich, so wie meine Freundinnen, dem Orchester beitreten wollte. Dass dieses fremdländisch aussehende Ding zu einem Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung werden würde, habe ich damals nicht geahnt. 

Einmal in der Woche musste ich zu einer Lehrstunde und täglich mindestens fünfzehn Minuten üben. Und die Ermahnung meiner Eltern - dass sich meine Mandoline nicht, für immer stumm, zum Blashorn meines Bruders, neben unseren Wohnzimmerschrank, gesellen dürfe – spornte mich an, mein tägliches Übungspensum auf mindestens eine Stunde zu erhöhen.

Doch die erste Zeit war hart. Der erste praktische Unterricht mit meiner neuen „Spielgefährtin“ endete mit einem Krampf im rechten Handgelenk. Tja, tremolieren will erst einmal gelernt sein!  Die ersten Griffübungen der linken Hand sollten dann meiner Gespielin mehr als nur die Leertöne G, D, A und E entlocken. Dass faszinierende Klänge aber auch einhergingen mit feuerrot brennenden Fingerkuppen, hatte mir vorher niemand gesagt. Anstatt fröhlich herum zu hüpfen, quälten sich meine schmerzenden Finger mühselig über das Griffbrett und brachten anstelle von wunderbaren Tönen nur jämmerlich krächzende Klagelaute hervor. Und die unabdingbaren Folgen meiner abendlichen Übungen folgten auf dem Fuß: Mein Bruder knallte verzweifelt sämtliche Türen zu und stöhnte laut, wie er sich denn bei dieser „Katzenmusik“ auf seine Prüfung vorbereiten solle, meine Mutter sorgte beschwichtigend für „Lärmausgleich“, indem sie abwechselnd die Spülmaschine klappern und die Waschmaschine dröhnen ließ – woraufhin mein Vater sich missmutig dazu genötigt fühlte, den Fernseher auf höchste Lautstärke zu schalten. Aber all das prallte an mir ab und war mir so egal, wie einem Felsen in der Brandung, der die Angriffe der schäumenden Gischt unbeeindruckt über sich ergehen lässt und sich nicht von der Stelle bewegt. In meinen elf Lebensjahren hatte ich noch nie vorher einen so starken Willen in mir verspürt, ein Ziel erreichen zu wollen. Trotz geschundener Fingerkuppen und schmerzendem Handgelenk übte ich Tag für Tag mit einer so eisernen Beharrlichkeit, die mich erstaunte, überraschte, mir völlig neu war.

Und als mir dann einige Monate später unterm häuslichen Tannenbaum ein lieblich tremoliertes „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gelang - rang sich sogar mein Bruder ein anerkennendes Lächeln ab. Und die Welt, war wieder in Ordnung.

Der erste Bühnenauftritt fand mit dem gesamten Orchester auf einer Freilichtbühne statt. Und war für uns Neulinge ein einziges Fiasko.

Unsere aufgeregten Hände schwitzten so stark, dass die Finger von den Stegen rutschten und anstatt schöner Melodien  nur schiefe Töne hervorbrachten. Als mir mein Pik aus der rechten Hand fiel und ich es auf dem Bühnenboden suchen musste, um weiterspielen zu können, wäre ich am Liebsten vor Scham in den Brettern der Bühne verschwunden. Zudem segelten durch aufkommenden Wind immer wieder unsere Notenblätter zu Boden, eine von uns musste sogar während dem Auftritt aufstehen, um ihr Blatt wieder einzufangen. Jetzt konnten wir uns auch die Ansammlung von Wäscheklammern an den Notenständern der anderen Mitspieler erklären. Unsere Fragen diesbezüglich waren uns vor dem Auftritt lediglich mit einem geheimnisvollen Schmunzeln beantwortet worden.

Als unser Dirigent uns anschließend vor der begeisterten Menge für unser Bühnendebüt lobte, mussten wir Neulinge aufstehen und uns vor den Zuhörern verneigen. Mein Gott, war das peinlich! Und dann, kamen unsere Orchesterkollegen auf uns zu, klopften kameradschaftlich auf unseren Schultern herum und gratulierten uns – zur bestandenen Feuertaufe. Von nun an, gehörten wir dazu.

Diese wundervollen Jahre prägten nachhaltig mein Leben. Sie bereicherten nicht nur kreativ meine Jugend, sondern brachten auch viele Freundschaften hervor, die immer ein fester, nicht wegzudenkender Bestandteil meines Lebens waren und es auch heute noch sind. Meine Musikantenjahre prägten meinen Sinn für Gemeinsamkeit, Fairness, lehrten mich gemeinsam Freude zu empfinden ebenso, wie gemeinsames Leid. Machten mich einfühlsam für meine Mitmenschen und zeigten mir den Weg, zu mir.

Auch später, als Erwachsene, spielte die Musik weiterhin  eine Rolle in meinem Leben. Ob es Auftritte auf der Karnevalsbühne waren, einige Jahre im dörflichen Kirchenchor, oder nur geselliges „Thekensingen“.

Doch nicht nur in geselliger Hinsicht war, und ist, die Musik ein fester Bestandteil meines Lebens. Sie ist für mich ebenso eine stets präsente Quelle der Kraft. Musik hören füllt meinen Energietank schnellstens wieder auf, wenn mir die innere Kraft zu versagen droht. Und immer wieder waren es musikalische Klänge, die mich aus seelischen Tiefs herauszogen und mich wieder auf die Beine stellten.Bleibt mir nur noch, Danke, zu sagen. Danke, an die Musik: Ich bin froh, dass es dich gibt. Du warst und bist mir stets ein einfühlsamer, bestärkender Gefährte. Ein treuer Begleiter auf der Bühne – meines Lebens.

                                                                   

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